Summer Dreaming
Public Toilettes

Kenia ist ein Land mit endlosen Weiten. Oft sieht man bis zum Horizont keine Menschenseele, kein Haus und kein Tier. Laut Wikipedia ist Kenia etwa 580 000 000 000 qm gross und beherbergt etwa 39 000 000 Menschen.

Pro Kenianer bedeutet das etwa 14 800 qm Platz um sich herum und die Kenianer sind es daher gewohnt, ihren Blick ungehindert in die 121 m weite Ferne schweifen zu lassen, denn dieser Bereich gehoert nur ihnen.

So ist es kein Wunder, dass die kenianischen Frauen die Klotueren selbst auf oeffentlich Toiletten nicht schliessen oder gar abschliessen, sondern nur anlehnen, um auch von ihrem Platz auf der Schuessel so weit wie moeglich sehen zu koennen und nicht von einer Wand oder gar einer Tuer davon abgehalten zu werden, ihren 14 800qm grossen Sicht- und Lebensbereich voll auszukosten.

Waehrend dessen muss jeder Deutsche in Deutschland sich auf winzigen 4 352 qm zurechtfinden. Ein sehnsuechtiger Blick in die endlose Ferne bleibt ihm verwehrt, das Land ist voll mit Menschen und nirgends ist er allein.

So ist es auch kein Wunder, dass es die Deutsche Frau nicht stoert, wenn sie auch die Tuer ihrer Toilettenkabine schliesst und abschliesst - sie ist es gewohnt, dass ihr Blick nicht bis zum Horizont reicht, denn auch ausserhalb des stillen Oertchens stehen ihr nur 4 325qm Lebensraum zur Verfuegung. Ja, oft ist die Damentoilette sogar der einzige Ort, an dem sie mehr als 4 325qm Platz fuer einige Minuten ihr Eigen nennen kann. Eine solche Gelegenheit laesst sie sich nicht entgehen und verschliesst die Tuer.

So viel zur demografisch-geografischen Erklaerung des Phaenomens der offenen Klotuer auf oeffentlichen Damentoiletten, die ich stets mit voller Wucht aufreisse und gegen die Knie einer kenianischen Frau werfe.

Dennoch: Der Grund dieses hoechst seltsamen, vulgaer anmassenden Verhaltens der weiblichen Kenianer kann durchaus andere Gruende haben.

Historische zum Beispiel.

Bis vor etwas mehr als einem halben Jahrhundert bluehte auch in Kenia der Menschen- und Sklavenhandel. Millionen von Afrikanern wurden ueber Jahrhunderte verschleppt und in die Sklaverei getrieben. Man fing sie "von der Strasse weg" und steckte sie in eine winzige Zelle, in der sie auf das Schiff warteten, auf dem sie zusammengeengt unter den unmenschlichsten Bedingungen in die westlichen Laender gebracht wurden. Niemals wuerde ein Afrikaner sich deshalb heute freiwillig auf engstem, sti(n)ckigstem Raum einschliessen lassen - klar, dass dies auch fuer oeffentliche Toiletten gilt.

Fuer die Deutschen war es waehrend des 20. Jahrhunderts hingegen mehr als ratsam, sich zu verstecken, im Ersten Weltkrieg vor den Alliierten, die dank des Versailler Vertrags das Recht hatten, das halbe Land zu pluendern, im Zweiten Weltkrieg vor Hitler und der SS und im kalten Krieg am besten vor beiden Seiten. Zuflucht konnte der Deutsche waehrend all dieser schlimmen Jahre in seinem Bunker finden, den er tunlichst abschloss und verriegelte. Das historische Erbe unserer Vorfahren spiegelt sich natuerlicherweise im deutschen Verhalten auf oeffentlichen Toiletten wieder.

Ebenso kann sich dieser kulturelle Unterschied durch klimatische Ursachen entwickelt haben.

So ist in Afrika eine steife Brise Gold wert - wer Fenster und Tueren verramelt, kann unmoeglich von ihr profitieren und schwitzt - auch auf dem Thron.

Im Gegenzug dazu stammen die Deutschen aus kaelteren Gefilden. Wohnungen und Haeuser verlieren, im Gegensatz zur afrikanischen Variante, an Wert, sobald bei geschlossenem Fenster auch nur ein Luftzug zu spueren ist. Seit fruehester Kindheit wissen wir, dass Zugluft nicht nur einen steifen Nacken verursachen, sondern auch zu schweren Erkaeltungen fuehren kann. Gemaess diesem Motto wird auch auf dem Lokus gehandelt.

Traurig aber wahr: Auch in dieser Sache gewinnen wieder einmal die Europaeer. Denn nicht ihnen wird taeglich einige Male die Toilettentuer von einer deutschen Praktikantin entgegengeschlagen und nicht sie laufen auf oeffentlichen Toiletten gegen die von der deutschen Praktikantin verschlossene Tuer.

8.9.09 15:21
 


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