Summer Dreaming
Paradises...

Am Freitag trat ich endlich meinen heissersehnten Traumurlaub in Mombasa an.
 
Ortskundige wissen, dass Mombasas Straende weiss und weich sind wie Mehl, das Wasser blaugruen glaenzt und es nicht nur ein Paradies fuer alte weisse Maenner und ihre perversen Kinderstrich-Gelueste ist.
 
Ein solch attraktives Ziel wollten auch wir uns nicht entgehen lassen. Am freitag abend trafen wir uns deshalb zum zweiten - und fuer mich vorerst letzten - Mal am Nairobi Hauptbahnhof. Philippe, Amanda, Sebastian und ich hatten ein Schlafabteil fuer uns gemietet von wo aus der Speisewagen leider nicht in Sicht war. Bei Anbruch der Fahrt fragte ich also einen netten Taschenlampenverteiler, denn der Zug aus dem Jahre 12 ist selbstverstaendlich nicht beleuchtet, wo wir denn unser Abendessen zu uns nehmen koennten und wie weit denn der Waggon von unserem entfernt sei. Der nette Herr antworte: "It's not far! You can walk!".
 
Am Samstag kamen wir gegen 10h in Mombasa an. In Nairobi noch bei unter 23 Grad gefroren, pellten wir uns bei den 30 Grad in Mombasa aus Pullis und Hosen. Vor dem Bahnhof erwartete unds unser Taxifahrer The Mohammed, der am Wochenende sehr viel Geld mit uns verdienen sollte. Da unser Cottage zwar direkt am Strand lag, jedoch keinerlei Luxus bieten sollte, entschieden wir uns, vor Antritt unseres Urlaubs ersteinmal shoppen zu fahren.
 
Erst gegen 12h kamen wir in Tiwi Beach an, wo wir von einer etwa 100-jaehrigen braungeroesteten Britin empfangen wurden. Sheila, die aussah, als waere sie in einem kleinen Korb beim Untergang des Kriegsschiffes Pegasus im ersten Weltkrieg von Board geworfen und schliesslich in Kenia von Affen aufgezogen worden, begrueste uns freundlich im Bikini.
 
Schnell entschieden wir uns, fuer den Abend einen Koch zu buchen, der uns mit lokalen Koestlichkeiten verwoehnen sollte. Da ich bereits am Strand dahinbriet, gingen Sebastian und Amanda zusammen mit dem Koch auf Zutatenkauf. Bei den Fischern erwarben sie geschaetzte vier Kilo Shrimps und drei Fische, die unser Koch fuer uns in einer leckeren Kokossaucee mit Kokosreis zubereitete. Als grosser Meerestierfan konnte ich zwar den Fisch essen, nicht aber die widerlichen kleinen, orangenen kopflosen Wuermer. Um nicht wuergen zu muessen, setzte ich mich ans andere Ende des Tisches.
 
Am Abend entschied Sebastian, dass wir tanzen gehen muessten und suchte den angesagten Club Schakatak aus, eine deutsche Diskothek mit angrenzendem Restaurant, in dem man es sich als deutscher Single-Senior richtig gutgehen und den Abend in trauter Zwei- oder Dreisamkeit mit minderjaehrigen Kenianerinnen ausklingen lassen konnte. Erst um 2h fielen wir todmuede ins Bett. Ich legte mich in die Kuhle meiner Matratze, schlief sofort ein und erwachte am Morgen in der selben Position, ohne mich nur einmal bewegt zu haben.
 
Am Sonntag eroberten wir schliesslich Mombasa City, eine ganz andere Welt als Nairobi. Waehrend in der Hauptstadt die meisten Bewohner Christen sind, ist der Grossteil der an der Kueste lebenden Menschen muslimisch und auch in der Stadt fuehlt man sich wie auf einem arabischen Bazar. Wir besichtigten das weltberuehmte Fort Jesus, von welchem aus die portugiesischen Kolonialherren das Meer beobachten konnten, fuhren mit einem original Tuktuk, einem der Hauptverkehrsmittel, durch die engbebaute Altstadt und assen ein weiteres Mal Fisch mit Kokossauce in einem Swahili-Restaurant, das Philippe an Istanbul erinnerte, wo er noch nie gewesen war.
 
Am Montag entschlosen wir uns, schnorcheln zu gehen. Zusammen mit anderen franzoesischen Touristen machten wir es uns auf dem wackeligen Holzboot, das uns von The Mohammed als hightech Glas-U-Boot angepriesen wurde, gemuetlich, wobei ich nach nur 10 Minuten seekrank wurde und die Fahrt im Liegen geniessen musste. Nach gefuehlten vier Stunden kamen wir im Marine National Parc an und durften von Board. Da ich bekannterweise wie ein Fisch schwimme und tauche und deswegen selbstverstaendlich im Besitz des orange-goldenen Seepferdchen-Abzeichens bin, erklaerte mich unser Guide zu seinem besonderen Sorgenkind.
 
Wenige Blicke in die kenianische Unterwasserwelt haetten mir genuegt, doch unser hilfsbereiter Begleiter setzte mir immer wieder die Taucherbrille auf und zeigte mir etwa sieben Mal, wie man schnorchelt und wie man einen Fisch von einer Koralle unterscheiden kann. Wer haette schon gedacht, dass nur einer von beiden sich bewegt und der andere eher einer Pflanze gleicht?
 
Beim Mittagessen wagte auch ich schliesslich eine tiefere Verbindung mit den Meereswesen einzugehen. Die frischen Krebse, die man uns auf die Teller legte, lehnte ich zwar ab, doch immerhin schaffte auch ich es einmal, von Sebastians Krebsschere abzubeissen.
 
Am Abend, als Sebastian und Philippe uns verlassen mussten, um ihren Flug nach Nairobi zu erwischen, blieb ich mit Amanda und Isaac, ihrem neuen Freund, der nicht ihr Freund ist aber auch keine Affaere, in unserer kuscheligen Huette allein. Unseren letzten Tag, den Dienstag, wollten wir an einem anderen, noch schoeneren, noch weisseren Strand verbringen, als dem unsrigen.
 
Mit The Mohammed fuhren wir  dienstag mittag mit all unseren Sachen zum Diani Beach und fletzten uns in die Sonne. Nur kurze Zeit spaeter leistete uns Salomo Gesellschaft, ein etwa 25-jaehriger Kenianer auf der Suche nach einer fettigen Weisswurst wie mir. Er erklaerte, er habe mich schon von weitem gesehen - bei meiner Masse kein besonderer Verdienst - und muesste mir nun dringend etwas sagen. Ob ich nicht mit ihm mitkommen wollte, weil ich mich so einsam fuehlte, neben Isaac und Amanda: Auch ich braeuchte einen african boyfriend.
 
Ich erklaerte ihm also geduldig, dass ich bereits einen boyfriend haette und Salomo erklaerte mir wohlwissend, dass er sich sicher sei, dass mein boyfriend mich gerade mit einer Kenianerin im Hotel betruegen wuerde. Langsam wurde mir unsere Unterhaltung zu anstrengend, also drehte ich den Spiess um: Ich wuerde nicht mit ihm mitgehen, aber er koenne mit mir mitgehen, dann koennten wir in meinem Hotelzimmer "relaxen" - natuerlich nur unter der Bedingung, dass Amanda und Isaac mitkommen koennten, da ich schon immer mal zu viert "relaxen" wollte. Auch Amanda und Isaac fanden das eine tolle Idee, schliesslich seien wir alle Freunde und Freunde teilen alles miteinander und so koennte jeder mal mit jedem "relaxen". Salomos Blick war in diesem Moment Gold wert, verunsichert und unglaeubig starrte er uns an - und war dann schneller weg, als er gekommen war.
 
Erst gegen 21.30h nahmen wir den Bus zurueck ins kaltfeuchte Nairobi. Obwohl wir eigentlich schon um 3h haetten ankommen sollen, hatte unser Bus knappe 3 Stunden Verspaetung. Um 6.30h legte ich mich noch einmal fuer eine viel zu kurze Stunde ins Bettchen, ganz allein, versteht sich.
2.9.09 14:17
 


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