Summer Dreaming
Crazy Car

Nach unserem wunderschoenen AUsflug zum zweitgroessten Sodasee der Welt, entschieden Sebastian und ich uns, auch am Sonntag ein Abenteuer zu wagen. Zusammen mit Amanda und Karo fuhren wir in Richtung Norden, Sueden oder Westen - wir waren uns lange Zeit nicht einig - um den Mount Kenya, den zweithoechsten Berg Afrikas zu besichtigen.

Schon um 6h klingelte mein Wecker. Um zehn nach sechs hatte ich bereits eine Sms verfasst: "Ich komme nicht mit!", die ich, wie immer, nicht abschickte, sondern nur zu meiner eigenen Befriedigung schrieb.
 
Um 7h sass ich bereits im Mietwagen, vollkommen ohne Proviant, denn: Mein Kuehlschrank war so leer wie schon lange nicht mehr. Mit knurrendem Magen dachte ich daran, den naechsten Supermarkt anzusteuern, um mich mit Essbarem einzudecken, doch vergebens. Unsere Reise fuerhte uns, wie immer, durch abgelegenste Regionen Kenias.
 
Um mich von meinem Hunger abzulenken, machte ich es mir mit meinem Nackenhoernchen bequem und schlief solange, bis mich die Diskussion, in welche Richtung es nun weitergehen sollte  weckte, die ich sogleich mit interessanten Informationen zu unserer momentanen Umwelt wie "da steht eine Kuh" oder "der Mann da vorne will mich heiraten" bereichern konnte.
 
Endlich erreichten wir unser Ziel, den Eingang des Mount Kenya National Parcs. Nur, dass es keinen Mount Kenya gab. Der zweitgroesste Berg Afrikas versteckte sich so gut hinter Wolken, dass wir ihn nicht mal erahnen konnten. Trotzdem: Sebastian war hin und weg. Besonders sein aufgeregtes Gerede, er haette jetzt so richtig Lust, den Berg zu besteigen, aengstigte mich und vor allem meine Fuesse, die wie immer in ihren Flipflops frische Luft genossen und absolut nicht fuer eine BEegbesteigung ausgeruestet waren - und nie sein werden.
 
Wir parkten unser Auto mehr oder weniger mitten im Wald, "die Leute wissen hier sowieso nicht, wie man das kurzschliesst", beruhigte Sebastian unsere Zweifel an dem von ihm gewaehlten Parkplatz.

Nach einem dreistuendigen Walk durch den Wald konnten Karo und ich Sebastian und Amanda laengst nicht mehr sehen und so entschieden wir uns, den Ruecktritt anzutreten und stattdessen auf einer Bank Kekse zu essen.
 
Gegen 15h, als aus unerfindlichen Gruenden die Alarmanlage unsere Autos schon 20 Minuten herumkrakelte, kamen Amanda und Sebastian endlich zurueck aus dem gruenen Dickicht.
 
Verstaubt und verschwitzt traten wir die Rueckfahrt an und waehrend ich darueber gruebelte, wie sinnlos der Tag gewesen war, bremste Sebastian sachte das Auto: "Irgendwie fahren wir schief". Amanda bestaetigte sein Gefuehl, stieg aus und stellte ihre Diagnose: "Wir haben einen Platten". Wieder entbrannte eine Diskussion: Der Ersatzreifen sah nicht besonders funktionstuechtig aus. Die naechste Tankstelle war ueber 20km entfernt. Mein Vorschlag, ich sei beim ADAC versichert und koennte diesen direkt anrufen, wurde abgelehnt. Stattdessen fuhren wir zur naechsten, im Reisefuehrer eingetragenen Tankstelle und ich fantasierte in meinem Hunger schon ein Tankstellenbistro und einen Servicepoint, an dem ich nicht nur einen Eiskaffee bekommen wuerde, sondern auch einen Teller Lasagne.
 
Die Tankstelle bestand aus zwei Zapfhaehnen, einer Luftauspumpstation und einem Waschpoint aber immerhin bestand sie ueberhaupt noch. Fuer umgerechnet 1,50 Euro ueberpruefte man unseren Reifen und nach einer Stunde erklaerte man uns, dieser sei in tadellosem Zustand. Da wir nun aber gerade mal da waren, entschieden wir, das Auto noch durch die "Waschanlage" zu schicken, wozu immerhin ein (Niedrig)Druckreiniger verwendet wurde. Nach etwa 10 Minuten wurden Umweltschuetzer Amanda und ich unruhig. Kenia ist zur Zeit, zumindest laut Medienangaben, das wasseraermste Land der Welt. Eine halbe Stunde wurde das Auto abgespritzt, gebuerstet und geschrubbt. Nachdem mir schon das Herz bricht, wenn ich eine Plastiktuete in den Papiermuell werfe, koennt ihr euch vorstellen, wie zerstoert ich war. Nach zwei Stunden Herumsitzen und vielen interessanten Begegnungen - zum Beispiel einem Pick-Up, der eine riesige Kuh transportierte - fuhren wir gegen 18h weiter gen Heimat.
 
Wir waren guter Dinge. Die 150km wuerden wir sicherlich innerhalb von ein bis eineinhalb Stunden geschafft haben. Mein ausgezerrter und abgemagerter Koerper stellte sich schon ein leckeres Menue mit jeder Menge Kaese vor, doch Nairobi wollte und wollte nicht kommen. Stattdessen wurde es dunkel und Sebastian, der sich im Linksverkehr bis dahin gut gehalten hatte, wurde von Zeit zu Zeit etwas aggressiv - verstaendlich, denn in Kenia ist es Gang und Gaebe, bei Nacht mit Fernlicht, auf der Gegenfahrbahn oder ohne Gehirn zu fahren. Kein Wunder, dass wir an etwa vier Unfaellen vorbeifuhren, wobei die AUtos mitten auf der Strasse stehen blieben und einen kilometerlangen Stau verursachten, anstatt an den Rand zu fahren. Versteht mich nicht falsch. In Deutschland waere es eine angemessene Reaktion auf einen Auffahrunfall und es macht Sinn: Man ruft die Polizei, die den Unfallort so auffinden will, wie er urspruenglich war und kann ihren Bericht schliesslich bei seiner Versicherung einreichen. Hier aber ist fast kein Fahrer versichert und die Polizei kommt wegen so einer Kleinigkeit bestimmt nicht rausgefahren, wenn sie schon eineinhalb Stunden benoetigt, um sich wegen eines entfuehrten Diplomaten in Spe ueberhaupt mal in Bewegung zu setzen.
 
Um 21.30h kamen wir in Nairobi an, mehr als gestresst, von Todesangst (und Hunger) geplagt. Ich fuer meinen Teil hatte starke Kopfschmerzen, wie so haeufig in der letzten Zeit, die anderen waren nur froh, heil "zu Hause" angekommen zu sein. Ich glaube, dieser war der sinnloseste Tag meines Aufenthalts hier.
27.8.09 19:45
 


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kok (1.9.09 02:21)
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