Summer Dreaming
Salt Lake City

Der vergangene Sonntag fuehrte mich und drei weitere Colafans zum zweitgroessten Sodasee der Welt, dem Magadi See, was ein besonderes Abenteuer war: Sebastian hatte sich fuer das ganze Wochenende ein Auto gemietet, um mit diesem das Land zu erkunden. Es sollte seine erste Fahrt auf der linken Seite sein, einen Umstand, den er souveraen zu meistern gedachte.


Unser Ausflugsziel bereitete uns grosse Bauchschmerzen: Der knapp 100km entfernte Sodasee war nur ueber eine extrem demolierte, von Schlagloechern gesaeumte Strasse zu erreichen - innerhalb von dreieinhalb Stunden. Zudem waren die Meinungen derer, die den zweitgroessten Sodasee der Welt bereits besucht hatten, sehr gespalten. Philippe rief mich am Vorabend an, um mir zu sagen, dass wir auf GAR KEINEN Fall und unter KEINEN Umstaenden den stinkenden Sodasee mit der umweltverschmutzenden Sodafabrik besuchen sollten. Victoire erklaerte mir, dass sie den See innerhalb von einer Stunde Fahrt erreicht haette und dass er sehr sehr schoen sei. Tamara sagte, sie habe sich dort wie auf dem Mond gefuehlt - was sie aber des Oefteren mal tut, weswegen man ihren Worten nicht allzu grossen Glauben schenken durfte. Wir waren also mehr als gespannt, was der zweitgroesste Sodasee der Welt uns zu bieten hatte.


Auf der langen Fahrt durch die oedeste Einoede Afrikas hatten wir vier genuegend Zeit darueber nachzugruebeln, was genau eigentlich ein Sodasee ist und was eine Sodafabrik eigentlich produzierte. Lisa, die einen Grossteil der Konversation verschlafen hatte, erklaerte uns, dass man in einer Sodafabrik logischer Weise Sodas herstellte: Coca Cola, Ginger Ale, Sprite,... Sodas eben, und sie schwaermte schon von einer leckeren Flasche KREST (eine Art Bitter Lemon), die sie im guenstigen Fabrikverkauf erwerben wollte und gemuetlich am Ufer des zweitgroessten Sodasees der Welt geniessen wollte.


Wir anderen wollten nicht so recht wahrhaben, dass der Sodasee tatsaechlich aus Fanta oder aehnlichem Gebraeu bestand, auch wenn die Vorstellung uns reizte. Dennoch glaubten auch wir, dass Soda etwas mit Sodagetraenken zu tun haben musste und so war schnell klar: Im Sodasee musste die Wiege der Coca Cola stecken, das Pepsi-Geheimrezept, das nun auch uns zu unermesslichem Reichtum bringen sollte.


Am Sodasee angekommen gelangten wir auf das Firmengelaende der Sodafabrik. Da wir immernoch genau wissen wollten, was Soda war, fragten wir einen vorbeischlendernden jungen Mann.  Nach den ueblichen Begruessungsfloskeln, kamen wir zum Punkt. Wir fragten: "What is Soda?". Der Mann schaute uns an, als waeren wir die duemmsten Menschen der Welt, zeigte auf den zweitgroessten Sodasee der Welt und sagte: "THIS is Soda!" und ging weiter.


Aufgeklaert und um einiges klueger setzten wir unsere Fahrt fort und stellten fest: Tamara hatte einmal im Leben Recht. Es war wie auf dem Mond, "nur noch viel besser", wie Stefan nebenbei erwaehnte. Alles war mit einer weisslichen Sodaschicht bedeckt, Baeume und Graeser ausgetrocknet, die Hitze unfassbar: Der beruehmte Magadisee gehoert zur heissesten Region Kenias mit taeglichen 40 Grad Celsius.


Unsere Route fuehrte uns am Ufer des halbausgetrockneten Sees entlang, wo wir schliesslich hielten. Hunderte von Flamingos tapsten nur wenige Meter von uns entfernt durch die drei Zentimeter tiefen Fluten des zweitgroessten Sodasees der Welt, Pelikane flogen ueber unsere Koepfe hinweg und andere Arten von Voegeln quietschten und zirpten vor Aufregung, als wir uns ihnen naeherten.

Die naechste Huerde lag vor uns. Ein reissender Fluss von zwei Zentimetern Tiefe musste ueberquert werden, bevor wir die Flamingos von der Naehe betrachten konnten. Die Jungs entschieden sich, eine Bruecke aus Steinen zu bauen, die jedoch scheiterte. Ich erklaerte den beiden, dass mein Reisefuehrer ausdruecklich empfahl, seine Fuesse im gesunden Sodasee zu baden und so wagte Sebastian als erster, barfuss der reissenden Stroemung zu trotzen. Innerhalb von fuenf Sekunden hatte er das etwa 3 Meter breite Gewaesser durchquert und hoerte sich Stefans Wissen ueber Wuermer in afrikanischen stehenden Gewaessern an, die sich durch die Fuesse in die Haut bohrten und den Koerper von innen auffrassen.

Diese hervorragende Moeglichkeit, Gewicht zu verlieren, liess ich mir nicht zweimal erklaeren und huepfte Sebastian hinterher. Gemeinsam erkundeten wir barfuss den Sodasee und die Flamingos und fragten uns, was die Voegelchen am Sodawasser wohl so toll fanden.


Nach etwa einer halben Stunde kehrten wir mit schmutzigen Fuessen zum Wagen zurueck und fuhren weiter, immer auf der Suche nach den beruehmten heissen Quellen des Sodasees, in denen man unbedingt ein Bad nehmen sollte. Da wir jedoch alle nicht vorbereitet darauf waren und ich im Bikini auch kein schoener Anblick bin, begnuegten wir uns damit, unsere Fuesse ins etwa 40 Grad heisse Wasser zu tauchen und die vielen Massai Frauen abzuwehren, die in uns potentielle Kaeufer ihres Massaischmucks sahen.

Der nette Mann, der uns die Quellen zeigte und uns einige gute Tipps zum Gebrauch des heissen Wassers ans Herz legte, war mir so sympathisch, dass ich ihm gern einen Euro Trinkgeld dagelassen haette. Sebastians Vorschlag, ihn zu einem Soda einzuladen, schlug ich jedoch ab - Soda hatte er am zweitgroessten Sodasee der Welt schliesslich genug.


30 Minuten spaeter traten wir den Rueckweg an. Lisa, die ihre Enttaeuschung ueber die falsche Sodafabrik nicht zurueckhalten konnte, bat uns am einzigen Supermarkt der Stadt um einen Halt, um wenigstens hier ein trinkbares Soda zu kaufen.


Den Rueckweg legten wir in knapp drei Stunden zurueck, waehrend der wir noch immer raetselten, was genau eigentlich Soda sei.


Am spaeten Abend erst erreichte mich eine SMS von Stefans Handy in der stand, dass Soda Natriumcarbonat sei, dass aus Trona hergestellt wurde und fuer Waschmittel, Glas und Klebstoff genutzt wuerde. Doch was ist Trona?



24.8.09 09:17
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen

Gratis bloggen bei
myblog.de


Startseite