Summer Dreaming
Mzungu Prices

Ich weiss, die Zeiten, in denen ich jeden Tag einen Blogeintrag verfasst habe, sind vorbei. Von Frankreich bis heute kann man die Entwicklung gut mit verfolgen – vieles scheint mir nicht mehr schreibenswert.
 
Wie zum Beispiel mein ewiger Aerger mit Afrikanern, die fuer Dienstleistungen oder Waren jeglicher Art zunaechst den Weissen-Preis fordern, le-prix-toubab oderin Kenia the-mzungu-price. Oft werden die Kenianer-Preise nur um wenige Cents erhoeht – wie heute, im Matatu. Als ich einstieg, fragte der Geldeinsammler-Mann wohin ich denn fahren wolle. Ich sagte brav den Namen meiner Station – Community – und gab ihm 30 Shilling – umgerechnet 30 Cent. Er sah mich an und sagte: „Bis Community kostet es 50 Shilling.“ Eine Diskussion brannte aus, denn ich erklaerte ihm, dass ich jeden Tag Matatu fuhr und ganz genau wuesste, dass es 30 Shilling koste. „Die Preise haben sich erhoeht, noch nie was von Inflation gehoert?“, fragte der Typ, der mit Sicherheit kein Wirtschaftsexperte war und vielleicht noch nicht mal lesen konnte. Im Matatu sind die anderen Mitfahrer keine grosse Hilfe, denn sie beobachten gern, was passiert und moechten wissen, ob die Mzungu, die Weisse, tatsaechlich so bloed ist und den doppelten Preis zahlt oder, ob sie sich nicht lumpen laesst und weiss, wie der Hase laeuft. Wer also den Mzungu-Preis bezahlt ist nicht nur ein wenig gewitzter Weisser, sondern verliert auch sein Gesicht vor der gesamten Matatu-Besatzung – eine Schmach, der sich niemand aussetzen moechte, vor allem nicht schon am fruehen Morgen. Ich erklaerte dem guten, aber geldgierigen Mann, dass ich nicht gewillt sei, den Mzungu Preis zu zahlen, da schaute er mich an und sagte: „Gut, du hast Recht, dann macht das 40 Shilling“. Ich sagte nein, drehte mich einfach um und wurde auch nicht mehr von ihm belaestigt.
 
Am Samstag auf dem Massais Markt erklaerte mir einer der Haendler, er haette grossen Durst und fragte, ob ich ihm nicht eine Cola kaufen koenne. Ich erklaerte ihm, dass ich pro Stunde umgerechnet etwa 1,50 verdienen wuerde und er mit Sicherheit das dreifache – er muesse also mir etwas ausgeben.
 
Gestern, auf dem Weg zur Arbeit, hielt mich ein Mann am Arm fest und erklaerte mir, er braeuchte Arbeit, ich solle ihm doch welche besorgen. Als ich ihm sagte, dass ich auch gern einen besseren Job haette, erzaehlte er mir, dass er mit seiner Familie umziehen wolle und nun das Geld von mir benoetigte. Ich sollte ihm natuerlich nicht alles geben, nur, was ich entbehren kann. Ich erklaerte ihm wuetend, dass ich nur 100 Shilling, also einen Euro, dabei hatte, um mein Matatu fuer die Hin- und Rueckfahrt zu zahlen. Es stimmte! Er sagte mir jedoch, dass ich ihm dann ja immernoch 40 Shilling geben koennte, denn das Matatu kostet wie wir ja nun alle wissen, 30 Shilling pro Fahrt. Ich erklaerte ihm, dass es mir leid tue, dass er keinen Job habe, aber dass ich heute auch noch essen muesste und die 40 Shillings dafuer gerade so ausreichten und liess ihn einfach stehen.
 
Vorgestern hatte ich eine Diskussion mit einem Taxifahrer. Ich stand etwa 15 Minuten an der Bushaltestelle und wartete auf Amanda. Etwa 150m von mir stand ein Taxifahrer vor seinem Wagen und winkte und schrie mir zu „Taxi, Madam, Taxi“. Ich ignorierte ihn, aber er hoerte nicht auf, sich die Kehle aus dem Hals zu schreien. So ging ich hin und fragte ihn, warum er denke, dass ich ein Taxi brauche. Er sagte, ich stuende dort so rum, als wuerde ich auf etwas warten. Ich sagte ihm, dass dort etwa 40 andere Leuten rumstanden und warteten – und zwar auf den Bus. Er antwortete, dass er sicher sei, dass ich keinen Bus nehmen wuerde, sondern sein Taxi, denn Weisse naehmen nicht den Bus.
 
Sicherlich hat Weiss-Sein auch Vorteile. Man kommt in jedes noch so schicke Hotel, auch wenn man nur Pipi muss und in jeden noch so feinen Club. Man bekommt immer einen Tisch im Restaurant. Man wird immer besonders freundlich gegruesst, einem wird immer geholfen, Einkaeufe zu tragen. Immer in der Hoffnung auf ein paar Shilling. Dass die Kenianer sich damit nicht nur den Weissen gegenueber rassistisch verhalten, sondern auch sich selbst, brauche ich wohl nicht zu erwaehnen. Bis sie es selbst merken, muessen wir armen Weissen wohl weiterhin akzeptieren, dass wir reich sind.
5.8.09 14:21
 


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