Summer Dreaming
Nairobi's nightlife and teaplantations

Ein wundervolles Wochenende geht zu Ende, das erste, das ich hier wirklich von ganzem Herzen genossen habe. Gestern morgen begann es mal wieder mit einem Ausflug auf den Massai Markt, mein vierter und nicht letzter dieser Art. Für diesen Besuch hatte ich mir jedoch etwas ganz besonderes vorgenommen: Sandalen kaufen, ein nicht ganz einfaches Unterfangen für Frau Froschfuß. Ich probierte nahezu jedes Paar Schuhe, dass mir gefiel, bis ich feststellte, dass ich entweder Schuhe nehmen musste, die mir passten oder welche, die mir gefielen. Nachdem mir der Verkäufer bei jedem einzelnen Paar versicherte, dass es wie für meine Füße gemacht sei und es auch gar nicht schlimm wäre, dass die Hälfte meines Fußes aus dem Schuh herausquoll, entschied ich mich für zwei Paar in meiner Größe, die trotzdem noch ganz ansehnlich sind, selbst an meinem Fuß.

 

Nach drei Stunden handeln und diskutieren war es Zeit, zu Philippe zu fahren. Amanda, Sebastian, der neue Praktikant der deutschen Botschaft, Caro, eine kenianische Kollegin von Amanda und Nick, mein Kollege vom DAAD machten vorher einen Abstecher im Supermarkt und kauften Fleisch und Feta – Philippe lud zur Barbecue-Pool-Party ein.

 

Knapp drei Stunden verbrachten wir schwitzend am Grill und Pool, bis es nach Hause ins Bettchen ging – ich wollte fit sein für den Abend, den ich mit Amanda im Havanna, der Bar mit der besten Livemusik in ganz Nairobi, verbringen wollte.

 

Gegen 21.30h holten mich Taxifahrer Josphat und Amanda ab und gegen 22h hatten wir schließlich, ich mit einem 0,5 Liter ziemlich männlich wirkenden Bier und Amanda mit einem weiblichen Rotwein, einen Platz direkt vor den Lautsprechern der sagenumwobenen Liveband ergattert und lauschten kurz andächtig, bald ungläubig der Musik: etwa 30 Minuten lang waren wir uns sicher, aus Versehen den Karaokeabend erwischt zu haben und fast wären wir auch auf die Bühne gesprungen, um eines unserer Lieblingslieder zu schmettern, als wir feststellten, dass noch immer dieselbe, schlechte Sängerin am Mikro stand und es auch keinen Bildschirm gab, der den Liedtext anzeigte.

 

Als Victoire, Tamara und andere Franzosen auftauchten, entschieden wir schnell, die Location zu wechseln. Nach 0,3 Liter Bier, die restlichen 200ml hatte ich Dominique gegeben, der bis zu diesem Zeitpunkt schon drei kenianischen Nutten in ziemlich kurzen Röcken hinterhergeglotzt hatte, war ich selbstverständlich rotzenvoll und sprach besser Französisch denn je und ich stolperte ins Black Diamond, ein angeblich angesagter Club mit eben so guter Livemusik wie im vorherigen.

 

Schon um Mitternacht verschlug es uns nach Hause. Spanner-Dominique, Tamara, Victoire, Claire und ich teilten uns ein Taxi und ich verstand gar nichts mehr, denn der Alkohol hatte seine zweite Phase erreicht. Ich war todmüde. Immerhin brauchte der Taxifahrer fast 40 Minuten und um 1h lag ich endlich im Bett.

 

Mein wohlverdienter Schlaf hielt jedoch nicht allzu lange an. Schon klingelte der Wecker, Victoire murmelte irgendetwas im Bett mir gegenüber und ich quälte mich aus dem Bett.  Viel zu früh mussten Riikka und ich in der Stadt sein, um pünktlich im Matatu zu unserem heutigen Reiseziel zu gelangen: Die Kiambethu Teefarm einer gewissen Fiona, für die sich außer uns nur noch zwei weitere Entdecker begeistern konnten; Philippe und Sebastian. Amanda sagte ab, weil es sie nicht allzu sehr reizte, ein gewisser Fabian entschied sich fürs Ausschlafen und alle anderen blieben lieber zu Hause, als sich mit Tee „zu langweilen“.

Heute war der schönste Tag meines gesamten Aufenthalts. Nachdem wir das richtige Matatu gefunden hatten und aus Nairobi Stadt herausgefahren waren, wurde die Landschaft sichtlich grüner und saftiger, auch, wenn die Fahrt alles andere als angenehm war. Da Sonntags wohl kaum Polzeikontrollen durchgeführt werden, halten die Matatus die Sicherheitsbedingungen nur am Rande ein. Das bedeutet, sie versuchen, wenn möglich, die Türen zu schließen. Die normaler Weise schon sehr schmalen und engen 14 Plätze im Matatu wurden zwischenzeitig von 25 Menschen besetzt und es war so eng, dass der Matatu-Fahrkartenverkäufer seinen Po aus dem Fenster pressen musste, um überhaupt noch in den Wagen zu passen und Sebastian einen Stehplatz einnahm, was im Matatu eigentlich nicht möglich ist und der Insasse schon beim Sitzen den Kopf einziehen muss.

 

Immerhin kamen wir nach knapp einer Stunde an und wurden von Fionas Fahrer am Matatu Stop abgeholt. Auf der Farm angekommen, wähnte ich mich sofort in Europa. Der perfekt gemähte englische Rasen veranlasste Sebastian zu der Frage, ob diese Familie zu den Royals zähle.

 

Fiona begrüßte uns herzlich und lud uns und eine andere Gruppe sechs seltsamer Gestalten zu einer Tasse Tee in ihr schnuckeliges Kolonialhaus-Wohnzimmer ein, wo sie uns in die Geheimnisse des Teeanbaus einweihte und schließlich auf eine Tour durch die Teefelder und den nahegelegenen Wald schickte. Die Ruhe und die hervorragende Luft bei 2200m überm Meeresspiegel taten mir mehr als gut und das darauffolgende Mittagessen war wohl das beste, dass ich hier bisher zu mir genommen hatte, von Gemüsesuppe aus eigenem Anbau bis hin zu selbstgemachtem Vanilleeis, ein Traum.

 

Fast fünf Stunden genossen wir den herrlichen Ausblick auf die Teeplantage, machten uns über die andere Reisegruppe lustig und stopften uns voll bis oben hin. Das Highlight war für mich nicht nur der Kauf des farmeigenen Tees, sondern auch das Chamäleon, das zufällig auf einem Ast herumsaß und dass ich mir auf die Hand setzte. Der Tag war so erholsam, dass ich inzwischen sogar überlegen, an meinem letzten Samstag noch einmal hinzufahren, schon allein, weil Fionas winziges Dackelbaby zum Anbeißen war. Der Spaß kostete uns 15 Euro – ich hätte auch 50 bezahlt für einen so schönen Tag.

2.8.09 20:07
 


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