Summer Dreaming
French Cheese

Wie viele verschiedene Sorten Kaese benotigen 3 einhalb Franzosen, wenn sie vorhaben, in der afrikanischen Wildnis zu picknicken?
 
Am Mittwoch abend rief Amelie mich an und bat mich, mit ihr und Philippe einkaufen zu gehen. Etwa 20 Minuten standen wir vorm Kaese-Regal. In unserem Korb lagen bereits drei Packungen (500g) La-vache-qui-rit, ein franzoesischer Streichkaese. Amelie stand zoegernd vor der Kaesetheke, ich bot ihr einen Gouda an, der ihr nicht stark genug roch. Sie entschied sich fuer zwei Packungen Feta a 200g und blieb unentschlossen stehen, schaute mich fassungslos an, als ich vorschlug, einfach irgendeinen Kaese mitzunehmen. Unmoeglich! Sie griff nach einer 200g Packung Kaese mit Pfefferkoernern und Kraeutern und ueberlegte. Ohne Kaese koenne sie nicht leben aber auf alles andere verzichten, sagte sie und warf sicherheitshalber noch eine 250g Packung Emmentaler ins Koerbchen. Wir verliessen den Supermarkt mit knapp eineinhalb Kilo Kaese, der unser Ueberleben in der Massai Mara, dem bekanntesten National Park Kenias, sichern sollte.

Zu Ehren dieses besonderen Ausflugs nahm ich mir den Freitag frei und wartete sehnsuechtig auf Amelie, Olivier und Philippe, die mich mit unserem Safaribus abholen wollten. Knapp eine Stunde zu spaet klingelte es, Amelie musste noch Brote fuer die Fahrt schmieren, natuerlich mit Kaese, und da ihr niemand dabei half, denn Olivier lag noch im Bett und Philippe schrieb hoechstwahrscheinlich mal wieder an einer Postkarte, dauerte das ganze etwas laenger als geplant. Der naechste Stopp war nun das YMCA Guest House, an dem wir Sebastien und Annie, ein frankofinnisches Paerchen abholten.
 
Gegen 10:30h fuhr das Kaesemobil endlich in Richtung Massai Mara, gelegen im Suedwesten des Landes und an den Serengeti Nationalpark in Tanzania angegliedert.

Nach etwa zwei Stunden Fahrt machten wir die erste Pause. Wir hielten in Narok, einer klitzekleinen, dreckigen und haesslichen Stadt irgendwo im Nirgendwo. Ich verliebte mich sofort und wollte am liebsten bleiben, doch es musste weitergehen. Nachdem ich eines von Amelies Kaesebroten verputzt hatte, verliessen wir Narok und der anstrengendere Teil der Strecke begann. Die Strasse endete und ging in einen Kiesschotterweg ueber, der uns an winzigen Massaidoerfern vorbeifuehrte. Am liebsten haette ich jedes Mal laut STOPP geschriehen, wenn uns einer der traditionell in rot gekleideten Massai Hirten, umringt von seiner Herde, mit seinem Speer zuwinkte oder die mit unendlich viel Schmuck behaengten Massaifrauen beim Waschen im Fluss ihren Kopf nach uns reckten oder die Kinder schreiend neben unserem Auto herrannten. Es war unglaublich und mir sind fast die Traenen gekommen, nach sechs Wochen stinkig versmogtem und europaeisch-vergammeltem Nairobi, wo jeder jeden betruegt, man nach 19h nicht mehr auf die Strasse geht und niemand niemanden gruesst haette ich nicht gedacht, dass es in Kenia doch noch ein Afrika gibt, bunt und froehlich und schoen!

Nach etwa viereinhalb Stunden Fahrt durchs Wunderland erreichten wir unseren Camping Platz, denn Alena geht nicht nur wandern, sondern auch campen. Da Philippe zum ersten Mal in seinem Leben einen Camping Platz betreten musste, entschied er sich, genau wie ich, fuer die Luxus Zelt Variante mit richtigem Bett und sonst nichts waehrend sich die anderen vier in ihren eigenen vier Zeltwaenden vergnuegen mussten. Wie sich herausstellte gehoerte der Platz einer Deutschen - einer Bayerin - weshalb sich Philippe trotz der Affen wie zu Hause fuehlen konnte - die ausnahmslos Massai Krieger in ihren Dienst stellt, weshalb unser Nachtwaechter mit Speeren bewaffnet um unsere Zelte schlich und am Tag seine Kuehe auf dem Platz weiden liess.
 
Waere da nicht so viel Natur gewesen, haette ich mich wohl auch ganz heimisch fuehlen koennen, doch leider kann ich Muecken, Dreck und Plumpsklos weder bei Tag noch bei ausnahmslos dunkelster Nacht ertragen. Zum Glueck waren Philippe und ich da einer Meinung. Camping ist fuer uns kein Urlaub, sondern  schmuddelig herumlaufen, am liebsten jede Sekunde unter die Dusche hopsen und furchtbar anstrengend. 

Bei unserer Ankunft am Freitag nachmittag hatten wir jedoch nicht viel Zeit darueber nachzudenken, denn es ging sofort auf Safari in den Park. Dank meiner franzoesischen Mitbewohnerin Tamara erhielt ich am Eingang - nachdem wir etwa 30 schmuckverkaufende Massai Frauen abgewimmelt hatten, die uns ihre Armbaender zu laecherlich horrenden Preisen andrehen wollten - tatsaechlich und ganz easy den Residents Eintrittspreis von nur 10 Euro, statt 50 Euro. Mit dem gesparten Geld kaufte ich Armbaender.

Der Park entpuppte sich als nicht abgesperttes oder eingezaeuntes Gebiet, in dem Loewen, Leoparden und Hyaenen ihr Unwesen treiben, die die Massai angeblich zum Wahnsinn bringen, denn ab und an fehlt eine ihrer Kuehe oder Ziegen.
 
Schon nach drei Stunden hatten wir alle nur moeglichen Tiere gesehen, faule Loewen, gefraessige Elefanten, gelangweilte Hyaenen, verschlafene Geparden... Im Reisefuehrer werden die wichtigsten und groessten Tiere als THE BIG FIVE angepriesen. Uns reichte diese Klassifizierung nicht und wir kuerten schliesslich noch The Ugly Five, The Useless Five und The Boring Five, zu denen unter anderem die Warzenschweine und die Gnus zaehlen, die beide ein eher sinnloses Dasein im Park fristen und niemandem - ausser den Loewen - so Recht einen Vorteil bringen.
 
Den Abend verbrachten wir mit einem kleinen Picknick im Camp, das wir bei voelliger DUnkelheit zubereiteten und im Gras zu uns nahmen. Ich war begeistert und ging frueh ins Bett, konnte jedoch auf Grund der Muecke, die sich in mein Zelt verirrt hatte, kaum schlafen.
 
Der Samstag entpuppte sich als 11 stuendige mega Tour, von der ich etwa zweieinhalb Stunden verschlief bis zum reichhaltigen Kaese-Lunch. Da Franzosen scheinbar noch immer nicht den Begriff Fruehstueck in ihren Wortschatz aufgenommen haben, blieb ich bis 14h ohne Nahrung. Zumindest ohne vernuenftige Nahrung. Stattdessen fuellte ich meinen leeren Magen fleissig mit Keksen und Chips bis mir schlecht und schlaefrig war.
 
Erst gegen 18h waren wir zurueck beim Camp und nahmen schliesslich unser Dinner zu uns, ein kleines Buffet fuer saftige deutsche 9,50 Euro inklusive tollpatschiger Massai Kellner. Die zweite Nacht schlief ich sichtlich besser nur die Lage meines Zeltes machte mir Sorgen, direkt am FLuss, an dem ich tags zuvor zwei fette Krokodile sitzen sah.
 
Am naechsten Morgen machte ich mich daran, mir ein Fruehstueck zuzubereiten. Ich ging in unseren kleinen Abstellraum und regte mich - in ein Brot beissend - gerade darueber auf, wie gestern alles achtlos herumgeworfen wurde, als Amelie reinkam und mich fragte, ob ich hier so ein Chaos veranstaltet hatte. Nein, natuerlich nicht. Da es sonst keiner war, schlossen wir, dass es wohl die Affen gewesen waren, die in der Nacht an unseren Broten - jedoch nicht an unserem Kaese - geknabbert hatten, dass ich nun gerade ass.
 
Gestern abend kamen wir erschoepft und muede zu Hause an und ich freute mich unendlich auf mein Bett, in dem waehrend meiner Abwesenheit, natuerlich nur mit meiner Zustimmung, Pim geschlafen hatte, ein Freund meiner Mitbewohnerin Victoire. Natuerlich hatte sie mir gesagt, dass sie ihm ihr Bettyeug aufziehen wuerde, was sie nicht getan hatte und so hatte Pim in meinem Bettzeug geschlafen. Auch wenn Pim ein gut aussehender Hollaender mit einem gutriechenden Parfum ist, kann ich mir nichts ekligeres vorstellen, als in dem selben Bettzeug schlafen zu muessen, wie er, sodass die Nacht nicht so angenehm war, wie erhofft und ich heute morgen mein Bettzeug zum Waschen weggab. Pfui!
27.7.09 15:39
 


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