Summer Dreaming
Becomming a Resident

In Kenya gibt es viele schoene Sachen anzusehen. Man benoetigt nur eines: GELD. Die Eintritte in die Nationalparks bescheren mir schlaflose Naechte. 60 Dollar soll man pro Tag und Prak zahlen. So geil bin ich dann doch nicht auf Loewen und Gnus, die von Krokodilen zerfleischt werden. Deswegen versuchen wir klugen Europaer nun, den Re-Entry Pass zu beantragen, was gar nicht so einfach ist. Zunaechst war ein Anruf beim Ministry of Immigration notwendig. Leider konnte man mir dort nicht weiterhelfen bzw. verstand der Mann am Hoerer nicht, was ich wollte und ich verstand nicht, was er wollte, obwohl mein Englisch inzwischen gar nicht mehr so schlecht sein kann. Ich muss nun also in den naechsten Tagen mal dorthin. Wie jede Behoerde, haben sie nur bis 17h geoeffnet. Ich arbeite bis 17h. Man muss dort dann seinen Reisepass abgeben, den die dann etwa 2 Wochen einbehalten. Inywischen ueberlege ich, ob es nicht weniger Aufwand waere, das Geld einfach zu zahlen. Darauf spekulieren die natuerlich. Im Endeffekt liegt auch nur noch ein einziger Park vor mir, fuer den ich also 120 Dollar zahlen soll, ich schaetze, das sind zur Zeit etwa 80 Euro, wofuer ich damals, als ich noch Jobs hatte, 10 Stunden arbeiten musste. Nun, im Praktikum, muss ich 40 Stunden dafuer arbeiten. Ist das fair?

Dass Fairness hier natuerlich ganz und gar nicht an erster Stelle steht, ist klar. Dass die Kenianer nicht langfristig denken koennen und zwar zum Beispiel daran, dass die studentischen Touristen von heute, die reichen Touris von morgen sind, die, weil sie Kenia damals so schoen fanden, mit ihren Familien hier einen Luxussafariurlaub verbringen wollen. Ich fuer meinen Teil, werde das meiner Familie spaeter sicherlich nicht vorschlagen, lieber zahle ich woanders sogar mehr, als noch mehr Geld in zahnlosen Rachen der Tourifaenger zu werfen, als ich es jetzt schon getan habe. 

Wenigstens unser Trip nach Mombasa, der ganz unabhaengig von Nationalitaet und Wohnort fuer jeden dasselbe kostet, nimmt langsam Gestalt an. Immerhin sind wir schon zu fuenft und uns einig, dass wir alle Urlaub brauchen vom ewigen Resident, Non-Resident, Resident, Non-Resident...
17.7.09 11:51


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Starting a new Life

Gestern war es soweit: Endlich entkam ich aus der Höhle der verrückten Mary.

 

Den ganzen Tag über war ich so aufgeregt, endlich umziehen zu können, dass ich Mittags nur zwei eine kleine Ananas essen konnte – normaler Weise mein täglicher Nachtisch. Nach der Arbeit beeilte ich mich so schnell zum ZMB zu kommen und prügelte mich in ein Matatu.

 

Um 18h war ich „zu Hause“, um 18.10h standen meine Sachen gepackt im Flur. Josphat, der Taxifahrer meines Vertrauens, sollte um 19h kommen. Um 19.30h stand er vor meiner Haustür, ich war so hibbelig, dass ich den Failienmitgliedern gar nicht richtig tschüss sagen konnte. Mary war überzeugt, ich sei so aufgeregt, weil nicht sicher wäre, ob alles klappen würde und ich am Ende ohne Bleibe dastehen würde. Natürlich habe ich für mich behalten, dass ich nur so aufgeregt war, weil ich endlich Abschied von ihr und ihrer Crazy Family nehmen konnte.

 

Ich weiß, das klingt mehr als gemein, schließlich haben sie mich gesund gepflegt, als ich fast gestorben wäre und mich immer gut verpflegt, trotzdem wäre ich am Sonntag abend fast ausgerastet, als klein Esther wieder in meiner Tür stand und mir erklärte, sie würde jetzt bleiben, bis ich schlafen ginge. Sagt mal einer Elfjährigen, dass sie das nervigste Lebewesen ist, das je auf dieser Welt erschaffen wurde – Mücken inklusive: Sagt einem kleinen, schwarzen Mädchen mit riesen Kulleraugen doch mal, dass ihr lieber jede Nacht von Mücken geplagt werdet, als eine Stunde von ihr.

 

Um etwa 19:45h kam ich endlich in meinem neuen Zu Hause an. Auch, wenn meine Mitbewohnerinnen mich etwas verarscht haben – bei der Besichtigung sagte man mir, ich könnte das Einzelzimmer haben, bin nun aber doch in einem Doppelzimmer gelandet – sind die zur Zeit Anwesenden sehr nett: Riikka, die Finnin (wer hätte das gedacht&hellip arbeitet in der finnischen Botschaft und scheint etwas verrückt zu sein: vor einem halben Jahr lernte sie ihren gegenwärtigen Verlobten kennen, den sie bis heute vermutlich etwa drei Mal gesehen hat. Wir haben allerdings etwas gemeinsam: Das Datum unserer Hochzeit. Auch sie will am Midsommer-Tag heiraten, ein scheinbar gängiges Hochzeitsdatum in den skandinavischen Ländern. Da sie mit ihrem Zukünftigen nach Australien ziehen wird, halte ich sie mir als Kontakt in jedem Fall warm, selbst, wenn sie sich als ziemlich unfreundlich entpuppen sollte.

 

Tamara, die erste Französin in unserer Runde, ist Praktikantin bei der französischen Botschaft und noch schlechter bezahlt als ich: Sie verdient genau Gar Nichts, lernt dafür wahrscheinlich mehr als ich. Die zweite und letzte Französin heißt Victoire. Sie ist gerade auf Madagaskar – warum nicht? – und kommt in 10 Tagen wieder. Mit ihr teile ich mir mein Zimmer und ich bin sicher, dass sie von ihrem Glück genauso wenig weiß, wie ich vor ein paar Tagen. Ich habe sie schonmal auf einer Party gesehen und kurz mit ihr gesprochen, sie schien zumindest sehr nett, wenn auch sehr französisch und für meinen Geschmack so schick, dass man sich neben ihr ganz arm, hässlich und dick fühlt. Zumindest zeugen die Bilder, die sie überall im Zimmer aufgehängt hat, davon.

 

Zur Arbeit ist es nun nicht gerade ein Katzensprung. Ein Bus fährt mehr oder weniger direkt zum DAAD-Office, braucht aber, wegen des Staus, etwa 45 Minuten, obwohl er höchstens acht Kilometer zu bewältigen hat – vielleicht sogar weniger.

 

Auf dem Rückweg verpasste ich heute leider die Bushaltestelle und wäre fast in Panik ausgebrochen, denn es dunkelte bereits sehr und ich hatte keine Ahnung, wo ich war. Ich fragte zig Mal nach dem Weg und rannte in Richtung Heimat, wobei ich auf dem Weg ein kurzen Stop beim Mango-Händler einlegte – so viel Zeit muss sein. Zu Hause angekommen – um exakt 10 Minuten vor Stockdunkelheit – war ich todmüde von der Langeweile des Tages und auch meine Mitbewohnerinnen hatten schon in ihren wohligen Bettchen. Sie waren ganz müde, denn sie hatten zu viel gegessen: Beim Empfang der französischen Botschaft zu Ehren ihres Nationalfeiertags. Mitleid?




14.7.09 21:35


Der heutige Tag ist prall gefuellt mit Langeweile. Nachdem ich eigentlich ins Kino gehen wollte, machte mir eine böse Migräne einen Strich durch die Rechnung. Schon das Tuten des Telefons, als ich Amanda anrief, um ihr abzusagen, dröhnte in meinem Kopf wie das Schreien eines brunstigen Elches in einer Tropfsteinhöhle. Da ich kein Wasser mehr hatte und ich dank Benjamins Ratte-im-Wassertank-Geschichte das Leitungswasser lieber nicht mehr anrühre, war eine Tablette nur ein weitentfernter Traum.

 

Zum Glück ist jedoch auch am letzten Tag meines Aufenthalts in Riverside auf meine Gastfamilie Verlass. Maid Carol, nicht Maid Mary, hämmerte hemmungslos an meine Tür. Ich versuchte, das Geräusch zu ignorieren und schrie ein „I’m sleeping“ in Richtung Tür, das sie ihrerseits gekonnt ignorierte. Ich öffnete also und sie drückte mir einen Tee in die Hand, kam rein, plauderte und lud mich zu sich nach Hause nach Kibera ein. Ihr erinnert euch? Der Slum. Inzwischen bin ich hin und hergerissen von ihrer Einladung: Ich würde wirklich gern einen Tag dort verbringen und das Leben der Leute kennenlernen, aber Carol ist mehr als merkwürdig und ich bin mir nicht sicher, ob sie mich nicht einfach nur ausrauben will oder im Endeffekt hofft, dass ich ihr Geld dalasse.

 

Geld war auch gestern wieder eine Frage, denn Philippe und ich trafen uns, um auf den sagenumwobenen Toymarket zu gehen – ein Second Hand Markt auf dem man als Europäer wie so oft hier die Chance bekommt, alle die Sachen zurück zuerstehen, die man vor einiger Zeit dem Roten Kreuz überlassen hat. Man sagte uns, wir würden alle erdenklichen Markenartikel auf diesem Markt erstehen können, zu unglaublichen Preisen. Wenn es auch nicht immer Markenartikel waren, die Preise waren unglaublich. Die geizigen Kenianer ließen absolut schlecht mit sich handeln. Ein paar Schuhe von Tschibo mit dem TCM Zeichen drauf sollten 25 Euro kosten – ein ziemlicher Witz, zahlt man in Deutschland vielleicht 20 Euro dafür. Ich entschied mich schließlich, meine Schuhe in einem richtigen Laden zu kaufen – nicht „Second Foot“. Abends ging es dann, nachdem Philippe mich mit ein paar tollen Fotos von seinem Ausflug zu den Massai neidisch gemacht hatte, zu Amandas Luxusbehausung, um zusammen zu kochen. Arrow Roots standen auf dem Speiseplan und sie schmecken genauso, wie sie sich anhören – seltsam und irgendwie bescheuert.

 

Morgen geht dafür der graue Büroalltag weiter. Am Donnerstag hatte ich meine Liste beendet und sie stolz Bonface, meinem Kollegen gezeigt, der mich lobte, wie schnell ich fertig war und wie gut ich alles gemacht hatte. Am Freitag kam dann die Cheffin und warf einen Blick drüber: Alles falsch. Nochmal von vorn. Bis Mittwoch. Aufregen nützt da nichts, ja ich bin sogar froh, denn so habe ich wenigstens etwas zu tun. Noch neun Wochen…

12.7.09 17:46


How much would you pay...?

Gestern nahm mich Anja, meine DAAD-Kollegin, mit zu einer Lesung im Restaurant des National Theatres. Shailja Patel, war der Name der angeblich aeusserst beruehmten indisch-kenianischen Dichterin, die ihr Werk mit Namen Migritude vorstellte.
 
Obwohl sie in perfekten American-English sprach, konnte ich nur die Haelfte verstehen. Es ging um die Wahlen und die Ausschreitungen danach, um Frauen und Anderssein, Tradition und modernes Denken. Zumindest habe ich das heute so im deutschen Internet gelesen, auch wenn die Quelle nicht ganz zuverlaessig ist. Es wurde behauptet, der Name ihres Programms Migritude sei ein Wortspiel aus Negritude und Attitude. Klingt interessant, aber selbst als Englischloser und absolut Nichtwissender auf dem Gebiet ihrer Poeme, sehe ich nicht, wo das Wort Negritude, das uebrigens selbst ein Wortspiel ist und soweit ich weiss vom ehemaligen sengalesischen Praesidenten Leopold Senghor entwicklet wurde. Ich vermute eher, dass Migritude ein Wortspiel aus Migration - immerhin ist sie eine in den USA lebende Kenianerin indischer Herkunft, oefte migrieren geht ja schon kaum noch - und Attitude, jedoch in Anlehnung an den von Senghor gepraegten Begriff Negritude (der uebriegens franzoesisch und nicht englisch ist) angelehnt ist. Ich fuehle mich so klug.

Na ja, wie auch immer, den Grossteil verstand ich, wenn ich auch nicht viel vom Kontext wusste und die vielen Metaphern deshalb nicht verstehen konnte - und trotzdem war es eindrucksvoll und unter das Publikum hatten sich nicht nur schwarze, weisse, gelbe und sonnenbrandrote Menschen gemischt, sondern auch eine Ratte, die von Zeit zu Zeit von einem Ende der Buehne zum anderen lief. Ein deutsches Restaurant waere laengst geraeumt worden.
 
Mit ihrer "Show" tourt sie - und damit meine ich nicht die Ratte - durch die ganze Welt. Waehrend der Wahlen schrieb sie offene Briefe an Minister und Praesidenten und offensichtlich viele, viele Gedichte.

In einem Teil ging es, soweit ich richtig verstanden habe, um Meinungsfreiheit und sie hat es, fuer meinen Geschmack, ziemlich gut auf den Punkt gebracht. Sie fragte: "How much would you pay for one word?" und gab verschiedene Vorschlaege: Einen Shilling oder einen Dollar? Deinen Ehering? Einen Ausbildungsplatz fuer dein Kind? Ein Bett im Krankenhaus fuer deine kranke Mutter? Fuer ein Wort? Gute Frage, vielleicht eine, die man sich als deutscher mit deutscher Geschichte auch mal fragen sollte...
10.7.09 12:45


Female Terrorists

Meine Spontanitaet kennt keine Grenzen. Gestern morgen wachte ich auf und aergerte mich unheimlich ueber Mary, meine Vermieterin und ihre Familie.
Nicht nur die kleine Tochter laesst mich nicht in Ruhe, der Apfel faellt nicht weit vom Stamm. Vorgestern abend, nachdem ich die kleine Esther aus meinem Zimmer gejagt hatte, ging ich tatsaechlich sofort ins Bett. Dass ich wahrscheinlich schlafe, ist leicht zu erkennen, denn ueber meiner Tuer ist ein kleines Glasfenster, durch das mein Licht zu sehen ist oder eben nicht. Ist es aus, sitze ich nicht etwa im Dunkeln an meinem Schreibtisch und starre vor mich hin, sondern schlafe.
Etwa eine halbe Stunde nachdem Esther gegangen war, ging die Tuer erneut auf, ohne Klopfen. Mary stand im Zimmer, machte das Licht an und rief: "Alena, es ist so frueh und du schlaefst ja schon". Ja, ich schlief wirklich schon, bis zu diesem Moment. Sie entschuldigte sich und ging wieder. Ich schlief wieder ein. Nach etwa 20 Minuten oeffnete sich die Tuer wieder, das Licht ging an und Mary schleppte einen kleinen Stuhl herein. "Fuer den Handwerker, damit der morgen dein Moskitonetz an der Decke befestigen kann."
Ich dachte, ich raste aus. Zu allem Ueberfluss stand die Tuer staendig offen und jedes Mal, wenn Mary wieder rausging, liess sie sie auch offen. Ich musste also jedes Mal aufstehen und die Tuer wieder zu machen und das Licht ausmachen.
Jeden Tag, bevor ich schlafen gehe, gehe ich auf Mueckenjagd. Ich kann einfach nicht schlafen, wenn die Insekten um mich herum schwirren und summen, manchmal wache ich um 3 Uhr auf und schlafe dann nicht mehr ein. Mary wundert sich, warum ich immer so muede bin.
Wie auch immer, als Mary den Raum verlassen hatte, summte es ploetzlich um mich herum. Ich machte das Licht wieder an und suchte nach dem Uebeltaeter aber er war nicht aufzutreiben. Mit Traenen in den Augen sass ich auf meinem Bett, weil ich wusste, dass ich die kommende Nacht sicher kein Auge zumachen wuerde, wenn ich das Tier nicht erwische. Ich fuehlte mich richtig terrorisiert, da ich Mary und den anderen schon 100 Mal gesagt habe, dass ich mit Muecken nicht schlafen kann und dass sie die Tuer zu meinem Zimmer immer sofort schliessen sollen.
Ich war ausserdem sicher, dass Mary den Stuhl nur reingetragen hatte, um mich aufzuwecken: Sie wollte nicht akzeptieren, dass ich entschieden hatte, schlafen zu gehen. Ich versetzte mich in ihre Lage: Wuerde eine fremde Person in meinem Haus wohnen, wuerde ich erstens: nie, aber auch NIE ohne zu klopfen ins Zimmer gehen, zweitens: das Zimmer sofort leise und unaffaellig verlassen, wenn ich sehe, dass betreffende fremde Person schlaeft und nie, aber auch NIE das Licht anmachen (es sei denn, das Haus steht in Flammen aber selbst dann waere Licht anmachen nicht noetig).
Abends beim Essen werde ich gezwungen, meinen Teller vollzuladen, obwohl ich nicht hungrig bin. Ich esse mittags und um 20h brauche ich einfach kein Chicken with Rice mehr. Mary ist richtig angepisst, wenn ich nicht esse und noch mehr, wenn ich nach dem Essen um 21h keinen schwarzen Tee mehr will, weil der wach macht.
Am zweiten Tag hatte ich meinen Laptop in meinen Schrank unter meine Hose gelegt. Abends kam Mary zu mir und sagte, ich solle meinen Laptop einschliessen. Am naechsten Tag hatte ich ihn noch immer nicht eingeschlossen, aber in einen anderen Schrank gelegt, wieder unter Klamotten versteckt. Abends fragte sie, warum ich meinen Laptop immernoch nicht eingeschlossen haette. Um das wissen, muss sie in meinen Sachen gewuehlt haben. Ich habe ihr weder erzaehlt, dass ich einen Laptop dabei habe, noch ihn vor ihr benutzt.
Richtig sauer sass ich also gestern im Buero und nahm mir vor, dass ich abends mit Mary reden wuerde, als ploetzlich das Telefon klingelte. Marys Freundin, eine Deutsche, war dran und sagte folgendes: "Alena, so geht das nicht weiter. Du MUSST die Miete und das Essen zahlen. Du kannst nicht umsonst bei Mary wohnen und du musst die Miete im Voraus zahlen. Mary hat mich angerufen und sich beschwert, du wuerdest so viel Essen." I
ch fiel aus allen Wolken, als ich das hoerte. Natuerlich habe ich die Miete bezahlt, nicht im Voraus, das stimmt, doch ich habe Mary gefragt, ob es in Ordnung waere, wenn ich ihr alle zwei Wochen Geld geben wuerde und sie sagte ja. Auch das Essen habe ich bezahlt, zwar nur fuer die Werktage, aber als ich am Wochenende zu Hause war, wurde ich an den Tisch gebeten, auch, als ich gesagt habe, ich haette schon gegessen. Haette ich nein gesagt, waere sie wieder enttaeuscht oder sauer oder was auch immer gewesen.
Ich ass also zwei Mal und zahlte natuerlich nicht noch zwei Euro extra fuer dieses Abendbrot. Scheinbar war das genau, was sie erwartet hatte.
Ich rief also kurzer Hand Philippe an, von dem ich wusste, dass er eine WG kennt, die noch einen Mieter sucht. Gleich nach der Arbeit fuhr ich mit ihm hin und war begeistert: Die Wohnung ist riesig, die Zimmer sind schoen und gross, die Miete knapp 180 Euro, jedoch ohne Verpflegung. Bei Mary zahle ich 310 Euro, die 130 Euro, die ich nun uebrig habe, kann ich also fuer Essen ausgeben, was ich brauche ist Brot, Obst, Muesli, Milch und Kaffee, denn mittags esse ich in der Cafeteria in der Naehe des DAAD Office.
Zu meinen Mitbewohnerinnen gehoeren zwei Franzoesinnen und eine Finnin, very international also und ich freue mich schon total auf ein Gemisch aus Franzoesisch, Englisch und Deutsch, Frenglitsch quasi. Die Selbstversorgung ist eine Herausforderung, die ich gern annehme, nur die Sache mit dem Waschen...
7.7.09 11:40


Pink Dreams Come True

Heute durfte ich endlich meine Flamingos sehen! Nachdem ich jedem, der es hören wollte und jedem, der nichts damit zu tun haben wollte, erzählt habe, dass ich seit knapp sechs Monaten darauf warte, echte Flamingos in einem echten See zu sehen, erbarmten sich heute immerhin sieben Ausländer mit mir den Nakuru National Park zu besuchen – in dem angeblich knapp 30% der Flamingo Weltpopulation leben sollen, quasi das rosafarbene Indien der Vogelwelt. Um an ihr Anteil nehmen zu können, sollte jeder Ausländer etwa 70 Euro zahlen: Eintritt, Auto, Tourguide und was sonst noch so an (Schmier)Geldern anfällt

 

Aus diesem Grund hatten wir uns vorher nach Studenten Rabatten erkundigt. Es gibt diese, allerdings in einer Grau- bis Schwarzzone und eigentlich nie. Laut Kenyan Wildlife Service benötigt man lediglich den Studentenausweis, laut Eintrittspersonal des Parks jedoch außerdem einen Brief, der mindestens zwei Wochen vorher abgeschickt werden muss und dann noch hundert Jahre zum Unterschreiben benötigt.

 

Knapp eine halbe  Stunde haben wir mit jedem möglichen Angestellten gesprochen, vom untersten Toilettenmann bis hin zum obersten Medizinmann und Tourist-Officer – allein der Name ist ein Witz. Letzter erklärte uns schließlich, dass er uns auf keinen Fall den Studentenrabatt geben könne, denn diese Lüge könne er nicht mit seinem Gewissen vereinbaren. Er schlug aber vor, uns zum Kinder-Vorzugspreis für 30 Dollar Eintritt in den Park zu gewähren. Mit dieser Lüge hatte sein Gewissen keine Probleme.

 

Nach so einer anstrengenden negociation musste ich erstmal was essen, zum Beispiel eines von den Würstchen, das mir Maid Mary eingepackt hatte und den Apfel und den Salat und noch zwei Pommes. Damit war mein Mittagessen um 9:30h verputzt und ratzekahl leergefressen. Die Flamingos konnten kommen.

 

Und tatsächlich: Der Lake Nakuru war übersäht mit pinken Vögelchen. Beim ersten Halt stieß ich die anderen aus dem Wagen und rannte zum Wasser, über salzig-matschige Flamingokothäufchen und eine Weide von rosaweißen Federn. Erst im Nachhinein fiel mir auf, dass ich von diesem Jahrhundertereignis kaum Fotos geschossen habe und die Flamingos gar nicht als einzelne gesehen habe, sondern nur als rosa Decke. Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen, könnte man sagen.

 

Die nächste Station war eine Art Aussichtspunkt, vor allem für Affen, ein Traum für das Filmteam vom Affenkanal. Einer der frechen Biester drang durch das Dach in unseren Van und klaute Philippe seine teure Schokolade, mit der er sich im Baum einen kleinen Snack gönnte. Einigen Amerikanern wurde die komplette Süßigkeitentüte gestohlen – dieses Mal vergaß ich nicht, Fotos zu schießen.

 

Abgesehen von der Affenflut war der Ausblick auf den Park schön, nicht atemberaubend und unglaublich wunderschön, aber toll, denn der See war voll von rosaroten Flecken und an den Ufern grasten Büffel und Zebras oder badeten Hyänen in ihrem eigenen Urin. Ein toller Anblick.

 

Totmüde verschwinde ich jetzt in mein Bettchen – vor allem, nachdem Esther, die 12-jährige Tochter der Familie in mein Zimmer gestürmt kam, um mir zu erklären, nun bei mir zu bleiben, bis ich schlafen gehe. „Ich gehe jetzt schlafen“ sagte ich, was ich eigentlich nicht vor hatte, aber ich tue alles, um sie los zuwerden. Morgen mehr über die kleine und ihre Mitteilungsbedürfnisse.

5.7.09 21:13


just another boring story

Ich werde das Gefühl nicht los, mein Aufenthalt hier sei völlig umsonst und geradezu Zeitverschwendung. Während der Woche freue ich mich aufs Wochenende, während des Wochenendes auf die Woche. Ich lerne nichts, außer, dass ich das Gefühl habe, von Tag zu Tag rassistischer zu werden. Viel zu viele der Kenianer, die ich bisher kennengelernt habe, sehen aus, als wäre ihnen ein Autos übers Gesicht gefahren: wenn du redest, starren sie einen mit halb offenem Mund und halb geschlossenen Augen an und du hast das Gefühl, gegen Schaum zu sprechen – so stelle ich mir zumindest oft ihre Gehirne vor.

 

Wenn du jemanden nach dem Weg fragst, sollst du ihm, bevor er dir die womöglich noch falsche Info aushändigt, „Weggeld“ geben, die Sehenswürdigkeiten sind unglaublich teuer, alle verlangen Dollar, statt Schilling. Für einen eineinhalbtägigen Ausflug in den Nationalpark Nakuru lautete der erste Kostenvoranschlag: 300 Dollar. Pro Person. Geiz ist geil und ich finde es unglaublich dumm von den Kenianern zu glauben, dass die Landeswährung jedes Weißen automatisch Dollar sei, mit dem er nun zahlen könne. Remy und ich hoffen, dass die Touristen mal Urlaub von Kenia nehmen und stattdessen in günstigere und ebenso schöne Nachbarländer verreisen und die gierigen Dumpfbacken in die Schranken weisen. Klingt nicht nett?

 

Meine (deutsche) Kollegin erklärte mir, dass ich als Weiße in Afrika nicht denken sollte, dass alles billig und erschwinglich wäre. Als ich meinte, dass ich in Europa für 300 Dollar schon eine Woche Urlaub auf Malle machen könnte oder meine Miete für einen ganzen Monat und zwei Wochen Essen zahlen könnte, erklärte sie mir, wir hätten ja auch ein anderes System. Ob ich den Kenianern nur weniger Geld geben würde, weil ich denke, dass in Afrika sowieso alles billig sein müsste und die das ja so gewöhnt sein müssten. Sie hat nicht verstanden, dass die Unverhältnismäßigkeit des Preises gegenüber der gelieferten Ware einfach nur frech und kackendreist ist und dass nicht ich die Rassistin bin, sondern der Mann, der denkt, ich hätte als deutsche Studentin 300 Euro übrig, um mich in den 60 km entfernten Flamingopark fahren zu lassen. Unglaublich, wie reich dieser Mann nach nur 30 Stunden mit sechs Deutschen geworden wäre. 1800 Dollar, das eineinhalbfache von dem, was Mary, unsere Maid hier, die jeden Tag knapp 12 Stunden kocht, putzt, schrubbt und wäscht, im Jahr verdient, wenn nicht sogar das doppelte.

 

Wir haben nun jemanden gefunden, der uns für 15 Euro pro Person fährt. 12 Stunden. 120 Euro verdient der Gute mit uns, für ihn bleiben am Ende sicherlich etwa 50 Euro übrig. Zwei Drittel von Marys Monatslohn.

 

4.7.09 17:24


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