Summer Dreaming
Bye, bye Africa

Am Freitag bekam ich eine Sms. „Du realisierst nicht, wie man sich in drei Monaten verändern kann“. Sie stammte von Johannes, der im Begriff war, sich von mir zu verabschieden, bevor wir uns überhaupt wieder gesehen hatten.

 

Seitdem bin ich wie in Trance. Ich weiß nicht wohin und noch weniger woher. Deutschland, Ägypten, Kenia, alles wie im Traum, kein Unterschied.

 

Johannes hat mir nicht nur meine letzte Tage kaputt gemacht. Dank ihm zweifle ich nicht nur an uns und dem gesamten letzten Jahr, sondern auch an mir.

 

„Du realisierst nicht, wie man sich in drei Monaten verändern kann“. Ich habe darüber nachgedacht und es stimmt. Ich habe nicht realisiert, wie MICH drei Monate verändert haben. Drei Monate, in denen ich – mal wieder – in ein fremdes Land gegangen bin, dessen Sprache ich nicht spreche und dessen Kultur ich nicht kenne. Ein Land, in dem es kein Trinkwasser mehr gibt, in dem Krankheiten wie Aids und Cholera die Bevölkerung dahinraffen, in dem die skrupeloseste Kriminalität an der Tagesordnung steht, Menschen umgebracht, entführt und ausgeraubt werden, ein Land, das von Flüchtlingen aus dem Norden, Somalis, Sudanesen, überschwemmt wird, ein Land voll von Korruption und Rassismus, gegen Weiße, Inder, gegen Angehörige anderer Stämme. Kenia ist wie jedes afrikanische Land. Während der letzten drei Monate hatte ich oft das Gefühl, kurz vor einer Sintflut zu stehen, die das Land, vielleicht den ganzen Kontinent, mit sich reißt, alles Leben kaputt macht und Platz für einen Neuanfang schafft. Oft wünschte ich es mir sogar und war schockiert über meine eigenen Gedanken.

 

Afrika polarisiert. Oft hat man das Gefühl, vor einem Scherbenhaufen zu stehen. Alles scheint in Schutt und Asche gelegt und das Schlachtfeld ist von so enormer Größe, dass man nur ungläubig davor stehen kann, ohne zu wissen, wo man anfangen soll oder ob es überhaupt Sinn macht, anzufangen. Gerade geht es mir wieder so,  nur stehe ich nicht in Afrika, sondern vor dem Spiegel.

 

Doch Afrika kann auch wunderbar sein. Morgens mit dem Matatu voll mit Menschen und lauter Musik zur Arbeit zu fahren, nachmittags durch den Uhuru Park zu laufen und die Marabus – riesengroße Vögel – über den Rasen stapfen zu sehen, die bunten Kleider der Massai, die dir ihre eigene Mutter verkaufen würden, aber zu stolz sind, um sich fotografieren zu lassen, Essen, das auf offener Straße gebrutzelt und verkauft wird, endlose Weiten, Savanne, Regenwald, Wüste, Traumstrände.

 

Wer Afrika sieht und versucht zu verstehen, verändert sich, lernt, sich glücklich zu schätzen, lernt, dass Geld und Reichtum auf dieser Welt nicht alles ist, lernt, dass es Menschen gibt, die auf der Welt nichts haben und trotzdem leben und lernt, dass es nach einer Trockenperiode auch immer wieder regnet.

 

Ja, Johannes, in drei Monaten verändert man sich.

 

Afrika polarisiert und verändert. Jeden Tag aufs Neue. Afrika ist laut, bunt und fröhlich, grenzenlos und unberechenbar, Afrika ist gefährlich, arm und reich, alt und neu, es ist voller Gegensätze, gespalten, vereint, kreativ und arbeitswütig, langsam und faul, beständig und fällt täglich in sich zusammen, es lebt, pulsiert, schreit und singt, ist ein einziges wunderbar geordnetes Chaos.

 

Ich weiß, warum es mich immer wieder von neuem anzieht. Afrika ist wie ich.

 

26.9.09 15:41


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Public Toilettes

Kenia ist ein Land mit endlosen Weiten. Oft sieht man bis zum Horizont keine Menschenseele, kein Haus und kein Tier. Laut Wikipedia ist Kenia etwa 580 000 000 000 qm gross und beherbergt etwa 39 000 000 Menschen.

Pro Kenianer bedeutet das etwa 14 800 qm Platz um sich herum und die Kenianer sind es daher gewohnt, ihren Blick ungehindert in die 121 m weite Ferne schweifen zu lassen, denn dieser Bereich gehoert nur ihnen.

So ist es kein Wunder, dass die kenianischen Frauen die Klotueren selbst auf oeffentlich Toiletten nicht schliessen oder gar abschliessen, sondern nur anlehnen, um auch von ihrem Platz auf der Schuessel so weit wie moeglich sehen zu koennen und nicht von einer Wand oder gar einer Tuer davon abgehalten zu werden, ihren 14 800qm grossen Sicht- und Lebensbereich voll auszukosten.

Waehrend dessen muss jeder Deutsche in Deutschland sich auf winzigen 4 352 qm zurechtfinden. Ein sehnsuechtiger Blick in die endlose Ferne bleibt ihm verwehrt, das Land ist voll mit Menschen und nirgends ist er allein.

So ist es auch kein Wunder, dass es die Deutsche Frau nicht stoert, wenn sie auch die Tuer ihrer Toilettenkabine schliesst und abschliesst - sie ist es gewohnt, dass ihr Blick nicht bis zum Horizont reicht, denn auch ausserhalb des stillen Oertchens stehen ihr nur 4 325qm Lebensraum zur Verfuegung. Ja, oft ist die Damentoilette sogar der einzige Ort, an dem sie mehr als 4 325qm Platz fuer einige Minuten ihr Eigen nennen kann. Eine solche Gelegenheit laesst sie sich nicht entgehen und verschliesst die Tuer.

So viel zur demografisch-geografischen Erklaerung des Phaenomens der offenen Klotuer auf oeffentlichen Damentoiletten, die ich stets mit voller Wucht aufreisse und gegen die Knie einer kenianischen Frau werfe.

Dennoch: Der Grund dieses hoechst seltsamen, vulgaer anmassenden Verhaltens der weiblichen Kenianer kann durchaus andere Gruende haben.

Historische zum Beispiel.

Bis vor etwas mehr als einem halben Jahrhundert bluehte auch in Kenia der Menschen- und Sklavenhandel. Millionen von Afrikanern wurden ueber Jahrhunderte verschleppt und in die Sklaverei getrieben. Man fing sie "von der Strasse weg" und steckte sie in eine winzige Zelle, in der sie auf das Schiff warteten, auf dem sie zusammengeengt unter den unmenschlichsten Bedingungen in die westlichen Laender gebracht wurden. Niemals wuerde ein Afrikaner sich deshalb heute freiwillig auf engstem, sti(n)ckigstem Raum einschliessen lassen - klar, dass dies auch fuer oeffentliche Toiletten gilt.

Fuer die Deutschen war es waehrend des 20. Jahrhunderts hingegen mehr als ratsam, sich zu verstecken, im Ersten Weltkrieg vor den Alliierten, die dank des Versailler Vertrags das Recht hatten, das halbe Land zu pluendern, im Zweiten Weltkrieg vor Hitler und der SS und im kalten Krieg am besten vor beiden Seiten. Zuflucht konnte der Deutsche waehrend all dieser schlimmen Jahre in seinem Bunker finden, den er tunlichst abschloss und verriegelte. Das historische Erbe unserer Vorfahren spiegelt sich natuerlicherweise im deutschen Verhalten auf oeffentlichen Toiletten wieder.

Ebenso kann sich dieser kulturelle Unterschied durch klimatische Ursachen entwickelt haben.

So ist in Afrika eine steife Brise Gold wert - wer Fenster und Tueren verramelt, kann unmoeglich von ihr profitieren und schwitzt - auch auf dem Thron.

Im Gegenzug dazu stammen die Deutschen aus kaelteren Gefilden. Wohnungen und Haeuser verlieren, im Gegensatz zur afrikanischen Variante, an Wert, sobald bei geschlossenem Fenster auch nur ein Luftzug zu spueren ist. Seit fruehester Kindheit wissen wir, dass Zugluft nicht nur einen steifen Nacken verursachen, sondern auch zu schweren Erkaeltungen fuehren kann. Gemaess diesem Motto wird auch auf dem Lokus gehandelt.

Traurig aber wahr: Auch in dieser Sache gewinnen wieder einmal die Europaeer. Denn nicht ihnen wird taeglich einige Male die Toilettentuer von einer deutschen Praktikantin entgegengeschlagen und nicht sie laufen auf oeffentlichen Toiletten gegen die von der deutschen Praktikantin verschlossene Tuer.

8.9.09 15:21


Dreaming of Egypt

Der Countdown laeuft. In neun Tagen bin ich endlich wieder in good old Germany. Doch bevor ich mein liebstes Lieblingsland, meine Heimat und mein altes Leben wiederhabe, gestatte ich mir noch einen Abstecher in die arabische Welt.

Seit drei Monaten bin ich auf der Suche nach einem treuen und zuverlaessigen Begleiter fuer einen kurzen City Trip nach Kairo waehrend meines achtstuendigen Zwischenstopps in Aegyptens Hauptstadt.

Daniel, einer der beiden jungen HErren, die Amanda und ich im Zug nach Kisumu kennengelernt haben, hat sich vor einigen Tagen bereit erklaert, mich in die Wirren und Tiefen Kairos einzufuehren. Obwohl er, wie er selbst sagt, bisher in keinem arabischen Land weniger Zeit verbracht hat, als in diesem, bezeichne ich ihn als Aegypten Spezialist. Da er zur Zeit durch Kenia und Uganda backpackt und ihm Ostafrika zu langweilig ist (surprise, surprise), haben ich und meine ueberaus charmante Art es tatsaechlich geschafft, ihn dazu zu bringen, die letzten vier Wochen seines Aufenthalts in Aegypten zu verbringen, am selben Tag hinzufliegen wie ich und mit mir fuer wenige Stunden die City unsicher zu machen.

Von meiner folgenden persoenlichen Touri-Liste fuer Kairo, die wir in knapp vier Stunden abackern muessen, weiss er noch nichts:

- Pfefferminztee in einer Teebar trinken
- die Pyramiden besteigen
- Milchreis essen
- eine kleine Mumie als Souvenir kaufen
- einem Scarabaeus-Kaefer den Kopf taetscheln
- auf einem arabischen Bazar ein Kopftuch kaufen
- auf das Minarett einer Moschee steigen und von dort die Glaeubigen zum Gebet aufrufen
- arabisch lernen
- einen Pharao sehen
- einen Koran-Kurs an der Universitaet Al-Azhar (der ZWEITaeltesten der Welt) besuchen
- auf einem Kamel mit den Beduinen durch die Wueste reiten
- am Nilufer entlangschlendern und Krokodile sehen
- vom Fernsehturm den Ausblick ueber die Hauptstadt geniessen
- auf der Sphinx reiten

Mein letztes Wochenende in Nairobbery verbringe ich selbstverstaendlich mit shoppen, um meine lieben Daheimgebliebenen mit sinnvollen und weniger nuetzlichem Krimskrams zu ueberhaeufen.

Ganz nach dem Vorbild einer weiteren jungen Afrika-Reisenden habe ich zudem vor, in den naechsten Tage Probe zupacken, da ich befuerchten muss, mein Koffer koennte platzen.

Auch eine letzte Poolparty lasse ich mir nicht entgehen: am Sonntag treffen sich die VIPs in Philippes Apartment-Anlage zum Grillen und Braeunen. Philippe selbst fliegt am Mittwoch, seine Mitbewohner schon am Dienstag und am Montag verlaesst uns bereits Sebastian. Bleibt nur noch die kleine Alena. Noch neun Tage.
4.9.09 15:43


Paradises...

Am Freitag trat ich endlich meinen heissersehnten Traumurlaub in Mombasa an.
 
Ortskundige wissen, dass Mombasas Straende weiss und weich sind wie Mehl, das Wasser blaugruen glaenzt und es nicht nur ein Paradies fuer alte weisse Maenner und ihre perversen Kinderstrich-Gelueste ist.
 
Ein solch attraktives Ziel wollten auch wir uns nicht entgehen lassen. Am freitag abend trafen wir uns deshalb zum zweiten - und fuer mich vorerst letzten - Mal am Nairobi Hauptbahnhof. Philippe, Amanda, Sebastian und ich hatten ein Schlafabteil fuer uns gemietet von wo aus der Speisewagen leider nicht in Sicht war. Bei Anbruch der Fahrt fragte ich also einen netten Taschenlampenverteiler, denn der Zug aus dem Jahre 12 ist selbstverstaendlich nicht beleuchtet, wo wir denn unser Abendessen zu uns nehmen koennten und wie weit denn der Waggon von unserem entfernt sei. Der nette Herr antworte: "It's not far! You can walk!".
 
Am Samstag kamen wir gegen 10h in Mombasa an. In Nairobi noch bei unter 23 Grad gefroren, pellten wir uns bei den 30 Grad in Mombasa aus Pullis und Hosen. Vor dem Bahnhof erwartete unds unser Taxifahrer The Mohammed, der am Wochenende sehr viel Geld mit uns verdienen sollte. Da unser Cottage zwar direkt am Strand lag, jedoch keinerlei Luxus bieten sollte, entschieden wir uns, vor Antritt unseres Urlaubs ersteinmal shoppen zu fahren.
 
Erst gegen 12h kamen wir in Tiwi Beach an, wo wir von einer etwa 100-jaehrigen braungeroesteten Britin empfangen wurden. Sheila, die aussah, als waere sie in einem kleinen Korb beim Untergang des Kriegsschiffes Pegasus im ersten Weltkrieg von Board geworfen und schliesslich in Kenia von Affen aufgezogen worden, begrueste uns freundlich im Bikini.
 
Schnell entschieden wir uns, fuer den Abend einen Koch zu buchen, der uns mit lokalen Koestlichkeiten verwoehnen sollte. Da ich bereits am Strand dahinbriet, gingen Sebastian und Amanda zusammen mit dem Koch auf Zutatenkauf. Bei den Fischern erwarben sie geschaetzte vier Kilo Shrimps und drei Fische, die unser Koch fuer uns in einer leckeren Kokossaucee mit Kokosreis zubereitete. Als grosser Meerestierfan konnte ich zwar den Fisch essen, nicht aber die widerlichen kleinen, orangenen kopflosen Wuermer. Um nicht wuergen zu muessen, setzte ich mich ans andere Ende des Tisches.
 
Am Abend entschied Sebastian, dass wir tanzen gehen muessten und suchte den angesagten Club Schakatak aus, eine deutsche Diskothek mit angrenzendem Restaurant, in dem man es sich als deutscher Single-Senior richtig gutgehen und den Abend in trauter Zwei- oder Dreisamkeit mit minderjaehrigen Kenianerinnen ausklingen lassen konnte. Erst um 2h fielen wir todmuede ins Bett. Ich legte mich in die Kuhle meiner Matratze, schlief sofort ein und erwachte am Morgen in der selben Position, ohne mich nur einmal bewegt zu haben.
 
Am Sonntag eroberten wir schliesslich Mombasa City, eine ganz andere Welt als Nairobi. Waehrend in der Hauptstadt die meisten Bewohner Christen sind, ist der Grossteil der an der Kueste lebenden Menschen muslimisch und auch in der Stadt fuehlt man sich wie auf einem arabischen Bazar. Wir besichtigten das weltberuehmte Fort Jesus, von welchem aus die portugiesischen Kolonialherren das Meer beobachten konnten, fuhren mit einem original Tuktuk, einem der Hauptverkehrsmittel, durch die engbebaute Altstadt und assen ein weiteres Mal Fisch mit Kokossauce in einem Swahili-Restaurant, das Philippe an Istanbul erinnerte, wo er noch nie gewesen war.
 
Am Montag entschlosen wir uns, schnorcheln zu gehen. Zusammen mit anderen franzoesischen Touristen machten wir es uns auf dem wackeligen Holzboot, das uns von The Mohammed als hightech Glas-U-Boot angepriesen wurde, gemuetlich, wobei ich nach nur 10 Minuten seekrank wurde und die Fahrt im Liegen geniessen musste. Nach gefuehlten vier Stunden kamen wir im Marine National Parc an und durften von Board. Da ich bekannterweise wie ein Fisch schwimme und tauche und deswegen selbstverstaendlich im Besitz des orange-goldenen Seepferdchen-Abzeichens bin, erklaerte mich unser Guide zu seinem besonderen Sorgenkind.
 
Wenige Blicke in die kenianische Unterwasserwelt haetten mir genuegt, doch unser hilfsbereiter Begleiter setzte mir immer wieder die Taucherbrille auf und zeigte mir etwa sieben Mal, wie man schnorchelt und wie man einen Fisch von einer Koralle unterscheiden kann. Wer haette schon gedacht, dass nur einer von beiden sich bewegt und der andere eher einer Pflanze gleicht?
 
Beim Mittagessen wagte auch ich schliesslich eine tiefere Verbindung mit den Meereswesen einzugehen. Die frischen Krebse, die man uns auf die Teller legte, lehnte ich zwar ab, doch immerhin schaffte auch ich es einmal, von Sebastians Krebsschere abzubeissen.
 
Am Abend, als Sebastian und Philippe uns verlassen mussten, um ihren Flug nach Nairobi zu erwischen, blieb ich mit Amanda und Isaac, ihrem neuen Freund, der nicht ihr Freund ist aber auch keine Affaere, in unserer kuscheligen Huette allein. Unseren letzten Tag, den Dienstag, wollten wir an einem anderen, noch schoeneren, noch weisseren Strand verbringen, als dem unsrigen.
 
Mit The Mohammed fuhren wir  dienstag mittag mit all unseren Sachen zum Diani Beach und fletzten uns in die Sonne. Nur kurze Zeit spaeter leistete uns Salomo Gesellschaft, ein etwa 25-jaehriger Kenianer auf der Suche nach einer fettigen Weisswurst wie mir. Er erklaerte, er habe mich schon von weitem gesehen - bei meiner Masse kein besonderer Verdienst - und muesste mir nun dringend etwas sagen. Ob ich nicht mit ihm mitkommen wollte, weil ich mich so einsam fuehlte, neben Isaac und Amanda: Auch ich braeuchte einen african boyfriend.
 
Ich erklaerte ihm also geduldig, dass ich bereits einen boyfriend haette und Salomo erklaerte mir wohlwissend, dass er sich sicher sei, dass mein boyfriend mich gerade mit einer Kenianerin im Hotel betruegen wuerde. Langsam wurde mir unsere Unterhaltung zu anstrengend, also drehte ich den Spiess um: Ich wuerde nicht mit ihm mitgehen, aber er koenne mit mir mitgehen, dann koennten wir in meinem Hotelzimmer "relaxen" - natuerlich nur unter der Bedingung, dass Amanda und Isaac mitkommen koennten, da ich schon immer mal zu viert "relaxen" wollte. Auch Amanda und Isaac fanden das eine tolle Idee, schliesslich seien wir alle Freunde und Freunde teilen alles miteinander und so koennte jeder mal mit jedem "relaxen". Salomos Blick war in diesem Moment Gold wert, verunsichert und unglaeubig starrte er uns an - und war dann schneller weg, als er gekommen war.
 
Erst gegen 21.30h nahmen wir den Bus zurueck ins kaltfeuchte Nairobi. Obwohl wir eigentlich schon um 3h haetten ankommen sollen, hatte unser Bus knappe 3 Stunden Verspaetung. Um 6.30h legte ich mich noch einmal fuer eine viel zu kurze Stunde ins Bettchen, ganz allein, versteht sich.
2.9.09 14:17


Crazy Car

Nach unserem wunderschoenen AUsflug zum zweitgroessten Sodasee der Welt, entschieden Sebastian und ich uns, auch am Sonntag ein Abenteuer zu wagen. Zusammen mit Amanda und Karo fuhren wir in Richtung Norden, Sueden oder Westen - wir waren uns lange Zeit nicht einig - um den Mount Kenya, den zweithoechsten Berg Afrikas zu besichtigen.

Schon um 6h klingelte mein Wecker. Um zehn nach sechs hatte ich bereits eine Sms verfasst: "Ich komme nicht mit!", die ich, wie immer, nicht abschickte, sondern nur zu meiner eigenen Befriedigung schrieb.
 
Um 7h sass ich bereits im Mietwagen, vollkommen ohne Proviant, denn: Mein Kuehlschrank war so leer wie schon lange nicht mehr. Mit knurrendem Magen dachte ich daran, den naechsten Supermarkt anzusteuern, um mich mit Essbarem einzudecken, doch vergebens. Unsere Reise fuerhte uns, wie immer, durch abgelegenste Regionen Kenias.
 
Um mich von meinem Hunger abzulenken, machte ich es mir mit meinem Nackenhoernchen bequem und schlief solange, bis mich die Diskussion, in welche Richtung es nun weitergehen sollte  weckte, die ich sogleich mit interessanten Informationen zu unserer momentanen Umwelt wie "da steht eine Kuh" oder "der Mann da vorne will mich heiraten" bereichern konnte.
 
Endlich erreichten wir unser Ziel, den Eingang des Mount Kenya National Parcs. Nur, dass es keinen Mount Kenya gab. Der zweitgroesste Berg Afrikas versteckte sich so gut hinter Wolken, dass wir ihn nicht mal erahnen konnten. Trotzdem: Sebastian war hin und weg. Besonders sein aufgeregtes Gerede, er haette jetzt so richtig Lust, den Berg zu besteigen, aengstigte mich und vor allem meine Fuesse, die wie immer in ihren Flipflops frische Luft genossen und absolut nicht fuer eine BEegbesteigung ausgeruestet waren - und nie sein werden.
 
Wir parkten unser Auto mehr oder weniger mitten im Wald, "die Leute wissen hier sowieso nicht, wie man das kurzschliesst", beruhigte Sebastian unsere Zweifel an dem von ihm gewaehlten Parkplatz.

Nach einem dreistuendigen Walk durch den Wald konnten Karo und ich Sebastian und Amanda laengst nicht mehr sehen und so entschieden wir uns, den Ruecktritt anzutreten und stattdessen auf einer Bank Kekse zu essen.
 
Gegen 15h, als aus unerfindlichen Gruenden die Alarmanlage unsere Autos schon 20 Minuten herumkrakelte, kamen Amanda und Sebastian endlich zurueck aus dem gruenen Dickicht.
 
Verstaubt und verschwitzt traten wir die Rueckfahrt an und waehrend ich darueber gruebelte, wie sinnlos der Tag gewesen war, bremste Sebastian sachte das Auto: "Irgendwie fahren wir schief". Amanda bestaetigte sein Gefuehl, stieg aus und stellte ihre Diagnose: "Wir haben einen Platten". Wieder entbrannte eine Diskussion: Der Ersatzreifen sah nicht besonders funktionstuechtig aus. Die naechste Tankstelle war ueber 20km entfernt. Mein Vorschlag, ich sei beim ADAC versichert und koennte diesen direkt anrufen, wurde abgelehnt. Stattdessen fuhren wir zur naechsten, im Reisefuehrer eingetragenen Tankstelle und ich fantasierte in meinem Hunger schon ein Tankstellenbistro und einen Servicepoint, an dem ich nicht nur einen Eiskaffee bekommen wuerde, sondern auch einen Teller Lasagne.
 
Die Tankstelle bestand aus zwei Zapfhaehnen, einer Luftauspumpstation und einem Waschpoint aber immerhin bestand sie ueberhaupt noch. Fuer umgerechnet 1,50 Euro ueberpruefte man unseren Reifen und nach einer Stunde erklaerte man uns, dieser sei in tadellosem Zustand. Da wir nun aber gerade mal da waren, entschieden wir, das Auto noch durch die "Waschanlage" zu schicken, wozu immerhin ein (Niedrig)Druckreiniger verwendet wurde. Nach etwa 10 Minuten wurden Umweltschuetzer Amanda und ich unruhig. Kenia ist zur Zeit, zumindest laut Medienangaben, das wasseraermste Land der Welt. Eine halbe Stunde wurde das Auto abgespritzt, gebuerstet und geschrubbt. Nachdem mir schon das Herz bricht, wenn ich eine Plastiktuete in den Papiermuell werfe, koennt ihr euch vorstellen, wie zerstoert ich war. Nach zwei Stunden Herumsitzen und vielen interessanten Begegnungen - zum Beispiel einem Pick-Up, der eine riesige Kuh transportierte - fuhren wir gegen 18h weiter gen Heimat.
 
Wir waren guter Dinge. Die 150km wuerden wir sicherlich innerhalb von ein bis eineinhalb Stunden geschafft haben. Mein ausgezerrter und abgemagerter Koerper stellte sich schon ein leckeres Menue mit jeder Menge Kaese vor, doch Nairobi wollte und wollte nicht kommen. Stattdessen wurde es dunkel und Sebastian, der sich im Linksverkehr bis dahin gut gehalten hatte, wurde von Zeit zu Zeit etwas aggressiv - verstaendlich, denn in Kenia ist es Gang und Gaebe, bei Nacht mit Fernlicht, auf der Gegenfahrbahn oder ohne Gehirn zu fahren. Kein Wunder, dass wir an etwa vier Unfaellen vorbeifuhren, wobei die AUtos mitten auf der Strasse stehen blieben und einen kilometerlangen Stau verursachten, anstatt an den Rand zu fahren. Versteht mich nicht falsch. In Deutschland waere es eine angemessene Reaktion auf einen Auffahrunfall und es macht Sinn: Man ruft die Polizei, die den Unfallort so auffinden will, wie er urspruenglich war und kann ihren Bericht schliesslich bei seiner Versicherung einreichen. Hier aber ist fast kein Fahrer versichert und die Polizei kommt wegen so einer Kleinigkeit bestimmt nicht rausgefahren, wenn sie schon eineinhalb Stunden benoetigt, um sich wegen eines entfuehrten Diplomaten in Spe ueberhaupt mal in Bewegung zu setzen.
 
Um 21.30h kamen wir in Nairobi an, mehr als gestresst, von Todesangst (und Hunger) geplagt. Ich fuer meinen Teil hatte starke Kopfschmerzen, wie so haeufig in der letzten Zeit, die anderen waren nur froh, heil "zu Hause" angekommen zu sein. Ich glaube, dieser war der sinnloseste Tag meines Aufenthalts hier.
27.8.09 19:45


Salt Lake City

Der vergangene Sonntag fuehrte mich und drei weitere Colafans zum zweitgroessten Sodasee der Welt, dem Magadi See, was ein besonderes Abenteuer war: Sebastian hatte sich fuer das ganze Wochenende ein Auto gemietet, um mit diesem das Land zu erkunden. Es sollte seine erste Fahrt auf der linken Seite sein, einen Umstand, den er souveraen zu meistern gedachte.


Unser Ausflugsziel bereitete uns grosse Bauchschmerzen: Der knapp 100km entfernte Sodasee war nur ueber eine extrem demolierte, von Schlagloechern gesaeumte Strasse zu erreichen - innerhalb von dreieinhalb Stunden. Zudem waren die Meinungen derer, die den zweitgroessten Sodasee der Welt bereits besucht hatten, sehr gespalten. Philippe rief mich am Vorabend an, um mir zu sagen, dass wir auf GAR KEINEN Fall und unter KEINEN Umstaenden den stinkenden Sodasee mit der umweltverschmutzenden Sodafabrik besuchen sollten. Victoire erklaerte mir, dass sie den See innerhalb von einer Stunde Fahrt erreicht haette und dass er sehr sehr schoen sei. Tamara sagte, sie habe sich dort wie auf dem Mond gefuehlt - was sie aber des Oefteren mal tut, weswegen man ihren Worten nicht allzu grossen Glauben schenken durfte. Wir waren also mehr als gespannt, was der zweitgroesste Sodasee der Welt uns zu bieten hatte.


Auf der langen Fahrt durch die oedeste Einoede Afrikas hatten wir vier genuegend Zeit darueber nachzugruebeln, was genau eigentlich ein Sodasee ist und was eine Sodafabrik eigentlich produzierte. Lisa, die einen Grossteil der Konversation verschlafen hatte, erklaerte uns, dass man in einer Sodafabrik logischer Weise Sodas herstellte: Coca Cola, Ginger Ale, Sprite,... Sodas eben, und sie schwaermte schon von einer leckeren Flasche KREST (eine Art Bitter Lemon), die sie im guenstigen Fabrikverkauf erwerben wollte und gemuetlich am Ufer des zweitgroessten Sodasees der Welt geniessen wollte.


Wir anderen wollten nicht so recht wahrhaben, dass der Sodasee tatsaechlich aus Fanta oder aehnlichem Gebraeu bestand, auch wenn die Vorstellung uns reizte. Dennoch glaubten auch wir, dass Soda etwas mit Sodagetraenken zu tun haben musste und so war schnell klar: Im Sodasee musste die Wiege der Coca Cola stecken, das Pepsi-Geheimrezept, das nun auch uns zu unermesslichem Reichtum bringen sollte.


Am Sodasee angekommen gelangten wir auf das Firmengelaende der Sodafabrik. Da wir immernoch genau wissen wollten, was Soda war, fragten wir einen vorbeischlendernden jungen Mann.  Nach den ueblichen Begruessungsfloskeln, kamen wir zum Punkt. Wir fragten: "What is Soda?". Der Mann schaute uns an, als waeren wir die duemmsten Menschen der Welt, zeigte auf den zweitgroessten Sodasee der Welt und sagte: "THIS is Soda!" und ging weiter.


Aufgeklaert und um einiges klueger setzten wir unsere Fahrt fort und stellten fest: Tamara hatte einmal im Leben Recht. Es war wie auf dem Mond, "nur noch viel besser", wie Stefan nebenbei erwaehnte. Alles war mit einer weisslichen Sodaschicht bedeckt, Baeume und Graeser ausgetrocknet, die Hitze unfassbar: Der beruehmte Magadisee gehoert zur heissesten Region Kenias mit taeglichen 40 Grad Celsius.


Unsere Route fuehrte uns am Ufer des halbausgetrockneten Sees entlang, wo wir schliesslich hielten. Hunderte von Flamingos tapsten nur wenige Meter von uns entfernt durch die drei Zentimeter tiefen Fluten des zweitgroessten Sodasees der Welt, Pelikane flogen ueber unsere Koepfe hinweg und andere Arten von Voegeln quietschten und zirpten vor Aufregung, als wir uns ihnen naeherten.

Die naechste Huerde lag vor uns. Ein reissender Fluss von zwei Zentimetern Tiefe musste ueberquert werden, bevor wir die Flamingos von der Naehe betrachten konnten. Die Jungs entschieden sich, eine Bruecke aus Steinen zu bauen, die jedoch scheiterte. Ich erklaerte den beiden, dass mein Reisefuehrer ausdruecklich empfahl, seine Fuesse im gesunden Sodasee zu baden und so wagte Sebastian als erster, barfuss der reissenden Stroemung zu trotzen. Innerhalb von fuenf Sekunden hatte er das etwa 3 Meter breite Gewaesser durchquert und hoerte sich Stefans Wissen ueber Wuermer in afrikanischen stehenden Gewaessern an, die sich durch die Fuesse in die Haut bohrten und den Koerper von innen auffrassen.

Diese hervorragende Moeglichkeit, Gewicht zu verlieren, liess ich mir nicht zweimal erklaeren und huepfte Sebastian hinterher. Gemeinsam erkundeten wir barfuss den Sodasee und die Flamingos und fragten uns, was die Voegelchen am Sodawasser wohl so toll fanden.


Nach etwa einer halben Stunde kehrten wir mit schmutzigen Fuessen zum Wagen zurueck und fuhren weiter, immer auf der Suche nach den beruehmten heissen Quellen des Sodasees, in denen man unbedingt ein Bad nehmen sollte. Da wir jedoch alle nicht vorbereitet darauf waren und ich im Bikini auch kein schoener Anblick bin, begnuegten wir uns damit, unsere Fuesse ins etwa 40 Grad heisse Wasser zu tauchen und die vielen Massai Frauen abzuwehren, die in uns potentielle Kaeufer ihres Massaischmucks sahen.

Der nette Mann, der uns die Quellen zeigte und uns einige gute Tipps zum Gebrauch des heissen Wassers ans Herz legte, war mir so sympathisch, dass ich ihm gern einen Euro Trinkgeld dagelassen haette. Sebastians Vorschlag, ihn zu einem Soda einzuladen, schlug ich jedoch ab - Soda hatte er am zweitgroessten Sodasee der Welt schliesslich genug.


30 Minuten spaeter traten wir den Rueckweg an. Lisa, die ihre Enttaeuschung ueber die falsche Sodafabrik nicht zurueckhalten konnte, bat uns am einzigen Supermarkt der Stadt um einen Halt, um wenigstens hier ein trinkbares Soda zu kaufen.


Den Rueckweg legten wir in knapp drei Stunden zurueck, waehrend der wir noch immer raetselten, was genau eigentlich Soda sei.


Am spaeten Abend erst erreichte mich eine SMS von Stefans Handy in der stand, dass Soda Natriumcarbonat sei, dass aus Trona hergestellt wurde und fuer Waschmittel, Glas und Klebstoff genutzt wuerde. Doch was ist Trona?



24.8.09 09:17


Nairobbery

letzter Eintrag liegt Jahre zurueck, was nicht nur auf die Tatsache zurueckzufuehren ist, dass ich nichts zu sagen habe - kaum vorstellbar, ich weiss - sondern auch darauf, dass ich das Wochenende am Viktoria See verbracht habe und gerade dabei bin, einen unglaublich langen Beitrag zu meinen Erlebnissen dort zu verfassen.

In der Zwischenzeit moechte ich euch allerdings mit den neusten News aus Nairobi oder auch Nairobbery, wie Remi, mein alter Mitbewohner, es auch gern und liebevoll nannte, versorgen.

Am Samstag erzaehlte mir Tamara aufgeregt, dass Nicholas, ein Bekannter - Freund waere uebetrieben - der bei der franzoesischen Botschaft arbeitet, letzten Donnerstag entfuehrt wurde. Nachdem er gegen 20.00h in Richtung Norden gefahren war, um einen Freund abzuholen, wurde er auf der Strasse von mehr oder weniger schwerbewaffneten Maennern abgefangen, die ihn aus dem Wagen "bitteten", in ihr eigenes Auto setzten und losfuhren, um verschiedene Banken aufzusuchen. Da der kluge Nicholas sein Konto mit hoechstens 200 Euro am Tag belasten konnte, liessen die Kidnapper ihn nach knapp 6 Stunden frei - ohne Handy, Uhr, Schmuck und Geld - und sagten ihm, er solle so schnell laufen wie er koenne und sich nicht umdrehen, sie wuerden ihn sonst wohl oder uebel erschiessen meussen.

Auch eine andere Franzoesin wurde vor ein paar Tagen entfuehrt. Sie kam vom Einkaufen und ging ganz normal ueber Stock und Stein, als ploetzlich ein Auto neben ihr hielt, die Tuer geoeffnet und sie hineingezerrt wurde. Da sie weder Ec-Karte, noch besonders viel Geld oder gar ihr Handy dabei hatte, wurde sie nach nur einer Stunde entlassen - lediglich ihrer Einkaufe entledigt.

Gestern erzaehlte mir Tamara, dass sie gestern mit ihren Eltern, die gerade zu Besuch seien, die Strasse in der Naehe des Zentralen-Matatu-Bahnhofes ueberqueren wollte, als ein Mann - im Vorbeigehen - an der Goldkette ihres Vaters riss, die gluecklicherweise sofort aufsprang und zusammen mit dem Mann im Getuemmel verschwand.

viel zur Hauptstadt des Verderbens, es folgt, in den naechsten zwei Tagen, ein Bericht ueber die schoenen Seiten Kenias - es gibt sie tatsaechlich.
19.8.09 10:28


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